Smartphone-Notfall

Ausgerechnet am 23. Dezember hat sich nachmittags mein Smartphone in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. Ich hatte ohnehin zunehmend Probleme mit dem sehr knappen Speicherplatz. Es war mein erstes Smartphone, und als ich es kaufte, war ich sicher, ich würde damit sowieso nur telefonieren und vielleicht mal was auf Facebook schauen, da bräuchte ich nicht so viel Speicherplatz. Dann kam (wie sollte es auch anders sein) eins zum anderen, und in den letzten Wochen war der mickrige Restspeicherplatz so zusammen­geschrumpelt, dass ich praktisch täglich alle Cache-, Download- und sonstigen Speicher leeren musste, damit überhaupt noch irgendwas ging.

Also dachte ich mir, da bin ich doch mal clever, warte den Weihnachts-Hype ab, und kaufe mir im Januar ein schönes neues Handy. Da das alte ja noch funktionierte, wähnte ich mich im totalen Luxus bei der Aussicht, dann sogar ein Ersatzhandy im Schrank zu haben. Aber wahrscheinlich hat auch ein Handy eine Seele, und ich habe zu intensiv nach neuen Handys gegoogelt – jedenfalls wollte ich am 23. nur schnell schauen, was eigentlich für eine SIM-Karte in meinem Gerät ist, und da weigerte es sich beleidigt, neu zu starten. Kein Akkuladen mehr, kein Blinken, kein Notstart – nichts.

Da ich noch eine alte riesige SIM-Karte habe, war ein vorübergehender Wechsel auf ein Leihhandy (dafür weiß ich jetzt, dass es Menschen gibt, die gleich mehrere (!) abgelegte I-Phones im Schrank haben) auch nicht möglich.

Mein Provider vermeldete auf seiner Seite, dass man gern eine neue kleine SIM-Karte per Post verschicke, vorausgesetzt, das aktuelle Prepaid-Guthaben sei hoch genug. War es natürlich nicht, das Guthaben lässt sich nur mit dem Handy aufladen, das Handy funktioniert nicht – ich war ziemlich unglücklich.

Alles wurde total hektisch – wir waren abends mit einer Freundin lose verabredet, hatten aber nur die Whatsapp-Kontaktdaten, und es musste über mehrere Ecken eine neue Kontaktmöglichkeit gefunden werden, damit wir uns dann doch noch treffen konnten.

Der ständige Begleiter empfahl, doch einfach ganz entspannt am letzten Tag vor Heiligabend im Elektromarkt ein neues Handy kaufen zu gehen. NEIN! Ich habe nicht tagelang vorher akribisch die Einkäufe geplant, damit ich am 23. ganz sicher nicht mehr im Supermarkt aufschlagen muss, um dann zwischen tausenden von anderen Kunden zu stehen mit dem Quasi-Etikett auf der Stirn „ja, auch ich wurde vom Weihnachtstermin überrascht“! Mal ganz abgesehen von der riesigen SIM-Karte, die man bestimmt nirgends mehr reinbekommt.

In allertiefster Verzweiflung habe ich meinen Schrank durchwühlt und, siehe da, mein uraltes abgegriffenes Nokia-Tastenhandy lag noch da. Nebst Akku und Ladegerät. Und was soll ich sagen – alles zusammengesteckt, Stecker in die Steckdose, und das gute Stück hat geladen, als sei nichts gewesen. Ach, was war das für ein schönes, nostalgisches Gefühl! Einhändig SMS schreiben zu können, weil die Tasten ja eine haptische Rückmeldung geben! Der wunderbare alte SMS-Benachrichtigungston! Und das Tollste: heute, nach 3 Tagen Laufzeit, zeigt der Akkustatus „voll“ an. Da habe ich schon ein kleines Tränchen der Rührung verdrückt…

Über Weihnachten bekam ich Anfragen, ob ich mich denn von Whatsapp abgemeldet hätte (gut, dass ich wenigstens auf Facebook bin, sonst wäre ich ja komplett aus der digitalen Welt verschwunden). Ich habe bestimmt schrecklich viele Weihnachtsgrüße und alle dazu­gehörigen Videos auf Whatsapp verpasst, aber ich lebe trotzdem noch :-).

Zumindest hatte ich jetzt aber Zeit zum Nachdenken. Und irgendwie ist es ökologisch ja total frevelhaft, ständig neue Handys zu kaufen, in denen dann seltene Erden und sonstige problematisch geförderte Stoffe verbaut sind und das ja selten unter ordnungsgemäßen Arbeitsbedingungen. So ergab es sich, dass unter einem Weihnachtsbaum in der Familie ein neues Handy lag, und ich übernehme nun das „abgelegte“. Damit leiste ich zwar keinen wertvollen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, aber dafür habe ich ein besseres ökologisches Gewissen.

Es war aber schon erschreckend, festzustellen, wie stark man mittlerweile in der schönen neuen Kommunikationswelt verankert ist. Immerhin ist der Kalender in der Cloud, was ich bisher blöd fand, jetzt fiel mir aber ein Stein vom Herzen. Meine ganzen wichtigen Notizen sind allerdings weg, und was genau an Kontaktdaten mit herüberzuretten ist, sehe ich wohl erst, wenn ich das neue Handy und die neue Karte habe. Und ab jetzt wird an Datensicherung nicht nur gedacht, sie wird auch durchgeführt ;-).

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