DIN 5008

Muss man sich Sorgen machen, wenn der Partner, sagen wir, ungewöhnliche Literatur im Bücherregal stehen hat?

Der ständige Begleiter und ich wollten zusammen einen Brief verfassen. Der Begleiter schreibt bzw. formatiert sehr gern alles mit LaTeX, was – für diejenigen, die es nicht kennen – so etwas wie eine Textsatzsoftware ist. Angehende Akademiker benutzen sie gern für ihre Abschluss- oder auch später Doktorarbeiten.

Jedenfalls hatte er diesen Brief entworfen. Weil er das optisch ansprechender fand, war der Brieftext nicht bündig mit der Adresse, sondern etwas eingerückt, ungefähr so:

Adresse
Adresse
Adresse

Rest vom Brief
Rest vom Brief
Rest vom Brief

Nun gibt es – wenig überraschend – in Deutschland für die Erstellung von Korrespondenz eine DIN-Norm, nämlich die DIN 5008. Sie legt fest, wie groß linke und rechte Ränder sind, wie die Abstände vor und nach Absätzen sein müssen, wo Leerzeilen sein dürfen und wo nicht, auf welcher Höhe und in welcher Form Adressen geschrieben sein müssen usw. usf. Wie man sich vorstellen kann, eine faszinierende Materie, mit der sich so mancher verregnete Nachmittag überbrücken lässt.

Ich habe bestimmt mehr als einmal mit der DIN 5008 zu tun gehabt. Wenn ich mich richtig erinnere, in der Ausbildung; möglicherweise auch beim Kurs „10-Finger-Schreiben leichtgemacht“.

Natürlich muss man sich nicht an diese Norm halten, sondern kann einfach irgendwie schreiben, ohne dass einen die Normenpolizei gleich verhaftet. Aber im Geschäfts-Briefverkehr war es oft hilfreich, sich an der Norm zu orientieren, statt umständlich hin und her zu probieren, wie es denn nun am besten aussieht. Heutzutage werden ja nicht mehr so viele Briefe geschrieben, und E-Mails sind eine Brutstätte der Regellosigkeit.

Ich hatte mir nun gedacht, dass ich den detailverliebten Begleiter mal bei seiner Ehre packen kann. Es entspann sich also der folgende kleine Dialog:

Ich: „Nichts für ungut, Mr. Supergenau, aber da gibt es doch diese Norm, wie Briefe erstellt werden müssen. Und ich glaube nicht, dass man da den linken Rand so wechseln lassen darf.“
Er: „Ach, du meinst bestimmt die DIN 5008?“
Ich: „… – … – äääh, ja, die, genau die.“
Er: „Das können wir nachschauen, die habe ich da.“
Ich: „????!!!!“

Er ging an sein Bücherregal und zog ein Exemplar des Regelwerkes DIN 5008 hervor… Wir haben dann gemeinsam herausgefunden, dass der linke Rand für das gesamte Dokument 25 mm beträgt. Ich war aber damit einverstanden, dass er den Brief so lässt, um ein wenig Individualität zu zeigen.

Niemand, wirklich NIEMAND!!!!!, hat privat so etwas wie die DIN 5008 im Bücherregal stehen! Ja, vielleicht Leute, die alte Kursbücher der Deutschen Bundesbahn auf Sammlerbörsen kaufen. Oder Menschen, die immer noch ein Album mit Pril-Klebeblumen haben. Aber doch niemand, der ernstgenommen werden möchte!

Der Begleiter meinte, er hätte sich das Regelwerk mal gekauft, weil ihn das Thema interessierte… Nun gut, er hat auch alle seine Fachbücher katalogisiert und besitzt dafür einen Barcode-Scanner. Wenn er mir einen Ausweis ausstellen würde, könnte ich bei ihm sogar offiziell Bücher leihen. Im Moment nehme ich sie mir immer einfach aus dem Regal.

Wahrscheinlich muss ich an unseren Zimmertüren einmal kontrollieren, ob dort nicht schon RFID-Lesegeräte angebracht sind.

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Eine Antwort zu DIN 5008

  1. traumradeln schreibt:

    Einfach mal schauen, was sich unsere Ahnen schon mal gedacht hatten, ist nie verkehrt. Nun weiß ich, wie die Briefschreibnorm heißt. Danke 😁.

    Gefällt 1 Person

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