Meine erste Facebook-Blockierung

Mein ständiger Begleiter meint, richtig in einem „sozialen“ Netzwerk angekommen ist man erst, wenn man mal einen veritablen Shitstorm provoziert hat. Er selbst ist nicht auf Facebook, veranstaltet aber ähnliches gern in den Kommentar­spalten der örtlichen Tages­zeitung.

Das mit dem Shitstorm habe ich bisher noch nicht in Angriff genommen. Dafür habe ich meine erste Blockierung auf Facebook erkämpft. Und das kam so:

Kürzlich bin ich über einen Post eines Personaldienstleisters gestolpert, der auf den Bereich „Pflegepersonal“ spezialisiert ist. Das Unternehmen warb mit einer Kombination aus weit über­durch­schnitt­lichen Gehältern, flexiblen Arbeits­zeiten, un­befristeten Arbeits­verträgen und Dienst­wagen. Also der Klassiker aus der Rubrik „wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht wahr“…

Der ständige Begleiter und ich haben dann ein bisschen im Netz gestöbert. Für das Unternehmen fanden wir in Arbeitgeberbewertungs-Portalen nur Be­wertungen, die entweder 1 oder 5 Sterne hatten; interessanter­weise folgte auf eine 1-Sterne-Bewertung (im Stile von „zahlt nicht, macht falsche Ver­sprechungen, vertröstet Mit­arbeiter“) jeweils eine größere Zahl an 5-Sterne-Bewertungen, gern mehrere am selben Tag ab­gegeben, des Inhaltes „Toller Arbeit­geber, so müssten alle sein, ganz, ganz top!“. Was dazu führte, dass im Schnitt gute 4 von 5 möglichen Sternen angezeigt wurden.

Die Firmenzentrale des europaweit operierenden Unternehmens ist ein kleines Häuschen ohne besondere Kenn­zeichnung in einer ruhigen Wohn­straße (danke, Google Street View!), ein Blick ins Online-Handels­register offenbarte, dass man man bis vor kurzem als „Unter­nehmer­gesellschaft“ eingetragen war, also als GmbH, die mit einem Euro Stamm­kapital starten kann.

Sehr interessant waren verschiedene Auszeichnungen als Arbeitgeber, die das Unter­nehmen im Profil führt. Eine bekommt man durch eine Zeit­schrift verliehen, wenn Kriterien wie „be­zahlter Urlaub“ und „Lohn­fort­zahlung im Krank­heits­fall“ erfüllt sind – mit anderen Worten: wenn man rechtsgültige Arbeits­verträge abschließt. Eine andere Aus­zeichnung als „Arbeit­geber 2015“ hatte das Unter­nehmen von einem Verein erhalten, der sich für „Wert­schätzung in der Pflege“ einsetzt. Interessanter­weise wurde dieser Verein erst im Juli 2016 ins Vereins­register ein­ge­tragen.

Auf meine interessierte Frage auf der Facebook-Seite, wann denn der besagte Verein gegründet worden sei, ist erst mal nichts passiert. Eine Stunde später habe ich dann einen weiteren Post abgesetzt, in dem ich völlig harmlos an­merkte, dass ich fündig geworden sei, und dass bei einer Ein­tragung ins Vereins­register erst im Juli 2016 die Aus­zeichnung als „Arbeitgeber 2015“ sicher nur ein harm­loser Tipp­fehler sei. Nun ja, und ich habe erwähnt, dass der Verein wohl bisher vergessen habe, die angegebene Gemein­nützig­keit, wie er­forderlich, auch nach­zu­weisen. Es dauerte (am späten Samstag­abend!) keine 15 Minuten, bis meine Posts von der Seite ver­schwunden waren und ich blockiert war…

Wie spannend, habe ich gedacht, so schnell geht das also, wenn man nur das Richtige postet.

Seitdem zähle ich mich zu den alten Facebook-Hasen, aber vor wenigen Tagen bin ich doch tatsächlich einem Scherzkeks auf den Leim gegangen. Nämlich, als ich ein Profil anklickte, auf dem hinter dem Namen in Klammern „hat dich blockiert“ stand.

Das hat mich sehr irritiert, kannte ich doch diesen Menschen gar nicht und hatte ihm auch wissentlich nichts getan.

Also habe ich fieberhaft überlegt – hatte ich von dem vielleicht mal irgendwas kommentiert? Ein paar Tage zuvor hatte ich mich auf Facebook nicht sonderlich nett über Anhänger einer bestimmten Partei geäußert (wer die Todes­strafe für Selbst­mord­atten­täter fordert, hat es ja wohl verdient, dass man ihn beleidigt!). War er vielleicht in dieser Diskussion gewesen und fand meinen Post so blöd, dass er mich vorsorglich blockiert hat? Es dauerte eine ziemlich lange Zeit, bis ich darauf kam, dass er diesen Spruch ins Feld „Spitzname“ in sein Profil geschrieben hatte. Puuh, da war ich schon ein bisschen er­leichtert! Aber auch bemerkenswert, wie einen sowas ins Grübeln bringt…

 

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