Die 2-Daumen-Künstler

Moderne Kommunikationsmittel sind ja schon seit langem nicht mehr nur in Gebrauch bei Menschen unter 30. Spätestens seit der Erfindung des Tablets bzw. des 5-Zoll-Displays für das Smart­phone kann man auch mit milder Alters­weit­sichtig­keit die dargestellten Inhalte leidlich erkennen.

Letztens im Urlaub konnten wir noch feststellen, dass mittler­weile Gäste bis ins hohe Alter mit ihren Geräten in der Hotel-Lobby herumlungerten. O.k., an der Stelle verläuft vielleicht noch eine kaum sichtbare Generationen­linie. Denn wir Älteren, die wir noch den Unter­schied zwischen Orts- und Fern­gespräch kennen (ja, liebe Kinder, damals war es noch ganz schön teuer, wenn man dauernd mit Freunden im Nachbar­ort tele­fonierte), nutzen gern Prepaid- oder Wenigsurfer-Tarife, sodass wir uns, wie die Fliegen ums Licht, um den W-LAN-Hotspot scharen müssen, um online zu gehen. Die jungen Leute, die im Gegen­satz zu uns immer häufiger auf den Festnetz­anschluss verzichten, haben dagegen All-Inclusive-Tarife mit riesigen Monats­volumen an Daten­verkehr und können surfen, wo sie wollen.

Ich habe mal irgendwo gehört, dass man an den Händen das wahre Alter des Menschen erkennt. Das war im Zusammen­hang mit einer Luxus-Handcreme-Werbung, was irgendwie besonders unlogisch ist. Denn wenn sich an den Händen das Alter nicht verbergen lässt, dann hat es ja wohl wenig Sinn, gerade dort eine teure Creme zu verwenden…

Warum schreibe ich das mit den Händen? Weil es eine Bastion gibt, die offensichtlich von den jungen Smartphone-Nutzer/inne/n besetzt ist, und damit etwas, mit dem man sich unweigerlich als nicht mehr ganz so jung outet: die jungen Leute beherrschen praktisch alle das Kunst­stück, mit zwei Daumen auf dem Handy zu tippen. Und ich werde nie verstehen, wie sie das machen.

Es fasziniert mich immer wieder, wenn ich jemandem zugucke, der mit zwei Daumen schneller auf der (virtuellen) Handy­tastatur ist als ich mit zehn beileibe nicht langsamen Fingern auf der Computer­tastatur. Ich treffe nicht mal bei langsamem Tippen mit nur einem Finger (der nicht der Daumen ist) immer die richtigen Handy­tasten. Nun gut, ich habe Wurstfinger. Aber trotzdem verstehe ich nicht, wie man in dieser rasenden Geschwindig­keit mit den Daumen und ohne Auto­vervoll­ständigen so unglaublich schnell tippen kann. Wie zum Teufel machen die das? Gibt es da einen Trick? Es ist ja nicht so, dass alle über 40 komplett arthritische Hände haben und einfach die Finger nicht mehr krumm kriegen.

Es beruhigt mich immer ungemein, wenn ich jemanden sehe, der mit seinem Handy genau wie ich umgeht: Handy in einer Hand, einen Finger der anderen Hand in bedächtigem Tempo über die Tastatur wandernd. Dann denke ich „jaja, daran erkennen wir alten Leute uns!“

Gelegentlich, wenn ich im Dämmerlicht in einer Tanzlokalität auf die winzig bedruckte Getränkekarte gucke, denke ich so bei mir, dass das eine ganz perfide Methode ist, um die Altersweitsichtigen bzw. Nachtblinden auszusondern. Ich bestelle dann immer eine Cola, weil die ganz bestimmt auf der Karte steht. Und was das Handytippen angeht: manchmal bin ich versucht, mit zwei Daumen irgendetwas völlig Sinn­freies in mein Handy einzu­tippen, nur um jünger zu wirken, als ich bin!

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