Ein Hoch auf den Fachhandel!

An sich mache ich mich ja für den Fachhandel vor Ort stark. Aber so etwas kann auch eine Prüfung sein… Zum Beispiel, wenn im Laden Verkaufs­personal steht, dem man dringend raten möchte „Augen auf bei der Berufs­wahl!“. Wir hatten kürzlich so ein Erlebnis.

Wir wollten einen Tischgeschirrspüler kaufen. Das ist so was ähnliches wie ein Tisch­kühl­schrank, aber eben nicht zum Kühlen, sondern zum Spülen. Mit dem Wasser­anschluss war uns was nicht klar, und der beste Begleiter von allen ist kein Hobby-Handwerker und erfreulicher­weise auch kein Vertreter der Fraktion „du glaubst wohl, ich kriege das nicht hin, nur weil ich das nicht beruflich mache!“, gefolgt von „das hätte einem Handwerker auch passieren können. Und der Schaden lässt sich ja reparieren.“ Also war die Marsch­richtung klar: Küchen­fachhandel vor Ort aufsuchen, beraten lassen, das Ding auch dort bestellen und – das ist eben der Vorteil beim Fach­händler – möglichst das Anschließen gleich mitbeauftragen.

In dem Laden saß ein Mitarbeiter, der sich sehr lange sehr intensiv mit seinem Computer befasste – so lange, bis wir ihn freundlich, aber aus­drücklich um Beratung ersuchten. Auf unseren Wunsch nach einem Tisch­geschirr­spüler antwortete er „die sind aber nicht billig!“, woraufhin ich das erste Mal Schnapp­atmung bekam. Auf unsere Erläuterung, das wüssten wir, seien aber bereit, den Preis zu zahlen, kam der zweite Kunden­abwehr­versuch: „die haben wir aber nicht auf Lager, sowas müssten wir bestellen“. Mühsames Unter­drücken der Schnapp­atmung.

Wir haben ihm dann gut zugeredet, sich hinter dem Verkaufs­tresen an seine Unter­lagen zu bewegen, ihm eine Über­sicht über den derzeitigen Tisch­geschirr­spüler-Markt nebst Anbietern gegeben, die wir selbst im Internet recherchiert hatten, geduldig ertragen, dass er (es war nur noch eine halbe Stunde bis Laden­schluss!) erstmal die Kataloge der verschiedenen Anbieter wälzte, ohne etwas zu finden, und fast schon begeistert registriert, dass er dann online bei den Her­stellern guckte, ob man denn überhaupt deren Geräte vertreibe (natürlich hatten wir diesen Fach­händler ausgewählt, weil wir wussten, dass er die infrage kommenden Marken anbot). Nachdem wir dem Mitarbeiter in zähen Ver­handlungen die Zusage abgerungen hatten, uns so ein Ding zu bestellen, gab es noch den letzten Warn­hinweis „das kann aber so umme 3 Wochen dauern mit der Lieferung“. Auch da konnte ich den jungen Mann beruhigen – die Ent­scheidung über die Anschaffung hatte mehrere Monate gedauert, da konnte uns auch die Liefer­frist nicht mehr schrecken.

Keine zwei Wochen später die nächste Herausforderung: die Senior-Chefin rief an, um a) mitzuteilen, der Geschirr­spüler sei jetzt da und b) einen Termin für die Lieferung und den Anschluss zu vereinbaren. Das gestaltete sich ziemlich nerven­aufreibend, aber wir haben einen Termin hinbekommen.

Dann die Killerfrage: „Welches Stockwerk ist das denn wohl, wo unser Mit­arbeiter hin muss?“ Ich dachte, eine bessere Antwort kann es nicht geben als meine, nämlich „Erd­geschoss“. Noch günstiger kann es ja eigentlich für den Anlieferer nicht laufen, es sei denn, man würde ihm sagen, er kann das Ding einfach durchs Keller­fenster werfen. Ich lag aber falsch. Denn die gute Frau sagte „Naja, ich frage nur, weil der allein kommt und die Maschine allein trans­portieren muss“. Ich fand die Antwort mit dem Erd­geschoss immer noch gut – und es handelte sich ja schließlich um ein Tisch­gerät. Wir haben uns dann darauf verständigt, dass er das wohl irgendwie hinkriegen sollte, und eine Sack­karre hatte er laut der Chefin auch im Auto.

[Das erinnert mich übrigens an eine denkwürdige Terminvereinbarung mit der Senior­chefin der Auto­werkstatt, in die ich meinen Wagen eine Zeit lang gebracht habe.
Die lief ungefähr so: „Ich wollte fragen, ob ich Ihnen mein Auto in den nächsten Tagen mal bringen kann“ (es war irgendwas, was nicht so super­dringend war) – „Diese Woche geht das aber nicht mehr!“ – „Muss auch nicht diese Woche sein, kann auch nächste oder über­nächste sein.“ – „Aber nächste Woche ist ein Feier­tag!“ – „Dann die Woche drauf?“ – „Ja, wann wollen Sie den denn bringen?“ – „Egal, ich richte mich nach Ihnen. Sagen Sie mir einen Tag, dann bringe ich den Wagen.“ – „Das geht dann aber erst in drei Wochen.“ – „Ist in Ordnung, ich notiere mir den Termin.“ – „Früher geht aber nicht, da hätten Sie letzte Woche anrufen müssen!“ – „Passt schon, vielen Dank!“ Vielleicht sende ich negative Schwingungen an Seniorchefinnen… ]

Aber zurück zum Tischgeschirrspüler. Was soll ich sagen: pünktlichst zur vereinbarten Uhrzeit rückte der junge Mann an und hatte erstmal einen super­guten Vorschlag zum Anschließen der Maschine, bei dem nicht, wie wir Laien schon befürchtet hatten, die halbe Arbeits­platte weg­gesägt wird. Dann schloss er flott die Maschine an und machte dann sogar noch den Dreck weg, den er beim An­schließen verursacht hatte. Und er hat meine ganzen Bedenken, die ich vorher hatte („Ogott­ogott­ogott, wenn der so ist wie die Leute im Laden, dann ruiniert der mir beim An­schließen die ganze Küche!“) im Nichts verschwinden lassen.

Ich überlege seitdem, ob das vielleicht eine geplante Drama­turgie in dem Laden ist. Es muss von Stufe zu Stufe noch Steigerungs­potential da sein, so dass der Kunde gar nicht anders kann, als sich wie ein Kind zu freuen, wenn der Monteur pünktlich ist und seine Arbeit gut macht. Und das üppige Trink­geld der erleichterten Kunden wandert in die Gemein­schafts­kasse…

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