Die komplizierte Hälfte der Menschheit

Ich glaube, ich bin zu blöd, Männer zu verstehen. Nein, so blöd bin ich nicht – Männer sind kompliziert. Und ich glaube, sehr viele Klischees und Sprüche über Frauen basieren meist auf gar keiner sinnvollen Grundlage und sind teilweise sogar NUR (!) dazu da, darüber hinwegzutäuschen, dass die Männer die komplizierten, irrationalen Wesen dieser Welt sind.

Zum Beispiel finden Männer es ja gut, wenn Frauen immer irgendwie nett sind und lächeln und nicht rumzicken. Also wird uns Frauen schon im ganz kleinen Mädchenalter anerzogen, uns nicht zu zickig aufzuführen, im Zweifelsfall nett zu gucken und insgesamt gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Bei den Jungs ist das nicht so, die sollen ruhig zeigen, wie sie drauf sind, und auch mal auf den Tisch hauen.

Wozu führt das? Mädchen (bzw. Frauen) sind natürlich nicht immer gut gelaunt, nur weil sie nett gucken. Sondern sie gucken nett, weil sie darauf gedrillt sind. Wenn wir Frauen also nett gucken, aber dem Mann, sagen wir mal, den Parkplatz oder den Job oder die Wohnung vor der Nase wegschnappen, was sagen die Männer dann? „Hinterhältig“, „link“, „durchtrieben“ sind noch die harmlosen Attribute. Dafür, dass Frauen so gucken, wie sie gucken sollen, und Männern nicht klar ist, dass das Fassade ist? Da versteh‘ einer die Männer.

Oder das: Männer erklären uns, dass es schon in der Steinzeit so war, dass man als Mann die Frauen beeindrucken musste und die sich dann ganz simpel und berechenbar dem Bewerber mit der größten Keule hingegeben haben. Deshalb ist es ihrer Auffassung nach auch heute noch so, dass man Frauen lediglich materiell imponieren muss, um bei ihnen zu landen. Also schickes Auto, teures Essen, schöner Schmuck. Wobei sich mir nie erschließen wird, warum es so toll sein soll, in einem schicken Auto auf dem BEIFAHRERSITZ zu sitzen…
Die ganz naiven unter den Männern glauben ja, dass eine Pizza zu 9,50 Euro plus zwei billige Prosecco eine ausreichende Investition für unverbindlichen Sex sind – wohl wissend, dass sie im Puff dafür mal gerade ein Pils kriegen würden. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Jedenfalls gehen also viele Männer davon aus, dass man einer Frau nur „was bieten“ muss, damit sie zu allem bereit ist. Dieselben Männer sind aber wie vor den Kopf geschlagen, wenn sie von eben jener Frau verlassen werden, weil entweder die großartigen materiellen Lockstoffe ausgehen oder jemand des Weges kommt, der mehr zu bieten hat. Dann finden sie, dass diese Bitch, die sie mal geködert haben, ein mieses, berechnendes Luder ist, weil sie mit einem Typen abdampft, der ihr was besseres finanziert… Hallo??? Was genau ist daran jetzt überraschend?

Oder Männer, die eine Abhängigkeit, welche auch immer, ausnutzen, um bei Frauen zum Zuge zu kommen. Ob es ganz klischeehaft die „Besetzungscouch“ ist, der berufliche Aufstieg in einem Unternehmen, oder auch akademische Fortschritte. Jedenfalls gibt es genügend Männer, die ganz unverblümt den nächsten beruflichen Schritt einer Frau davon abhängig machen, ob diese sie ranlässt. Womit ihnen ja dann auch klar sein dürfte, dass das ihr einziges Argument ist. Und wenn das der Fall war, also der Mann das hat, was er wollte, und die Frau irgendwann auch das hat, was sie wollte, dann ist der logische nächste Schritt, dass die Frau natürlich den Mann in den Wind schießt, denn sie ist ja nicht mehr angewiesen auf ihn. Und dann – siehe letztes Beispiel – finden die Männer, dass die Frauen aber mal ganz hinterhältige blöde Luder sind, die immer nur an das eine denken: ihren Vorteil.

Mir hat mal ein Mann gesagt, wenn sich eine Frau in einer Diskothek von ihm ansprechen lässt, hätte sie sich damit schon komplett als potentielle Partnerin disqualifiziert, weil sie sich von fremden Kerlen in einer Diskothek anquatschen lässt. Was??? Kann mir das mal jemand (vorzugsweise ein Mann) erklären? Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Mann (das Gespräch ist einige Jahre her) immer noch solo oder bei einer extremen Sadistin gelandet wäre. Einfach zu verstehen fand ich das jedenfalls nicht.

Das, was bei Männern „gesundes Konkurrenzverhalten“ heißt, wird bei Frauen zur „Stutenbissigkeit“. Weil die Frau an sich ja normalerweise völlig unagressiv ist. Wegen der Hormone. Da muss man nur mal Löwinnen bei der Jagd beobachten – so friedlich…
Und „unkonventionelles outside-the-box-Denken“ (es heißt übrigens so, nicht „out of the box“) bei Männern ist bei Frauen die (muhahahahaha!!!!) „weibliche Logik“. Die selbstredend keiner versteht, weil sie so verquere Wege geht.

Und während man bei den Frauen bei schlechter Laune (die ja eigentlich nicht vorkommen darf, siehe oben) entweder PMS oder die Wechseljahre vermutet, kommt man bei Männern, die sich unleidlich benehmen, nicht auf die Idee, das vielleicht darauf zurückzuführen, dass es letztens mit der Erektion nicht so geklappt hat, oder dass sie unter einem Samenstau leiden… Wir Frauen kommen natürlich sofort darauf, aber diese Vermutung äußern wir nur, wenn wir unter uns sind, weil doch Männer immer gleich so mimosenhaft reagieren.

Darüber, dass Männer sich grundsätzlich erst mal nicht helfen lassen und auch nicht um Hilfe bitten wenn sie nicht weiterkommen, muss man eigentlich nicht mehr schreiben, das ist bekannt. Aber logisch? Nein, das ist es ganz sicher nicht.
Oder diese ulkigen Äußerungen, dass reine Männergruppen soviel lässiger und netter sind als reine Frauengruppen. Wobei ja die Person, die das sagt, keinen Vergleich haben kann, da sie aus eigener Erfahrung entweder nur (als Mann) reine Männergruppen oder (als Frau) reine Frauengruppen kennt.
Warum schreibe ich das eigentlich? Vielleicht, weil ich kürzlich einen ziemlich albernen Beitrag von einem Motivationsguru gelesen habe, der Frauen erklären wollte, wie die weibliche Art, Erfolg zu haben, aussieht. Weil man(n) ja immer ganz genau weiß, wie das weibliche Erfolgsstreben auszusehen hat. Und wehe, die Frauen halten sich nicht dran.

Vielleicht habe ich aber auch nur PMS.

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3 Antworten zu Die komplizierte Hälfte der Menschheit

  1. atroksia schreibt:

    Du bringst mich zum grinsen. Wirklich toller Text und als ich den ersten Absatz meinem Mann vorgelesen hab, war der ganz und gar nicht begeistert. 😀 Tja manches sind eben doch keine Klischees, vieles passiert immer und immer wieder und mit ein bisschen Lebenserfahrung fallen einem diese Dinge immer mehr auf, weil sie viel zu oft passiert sind.

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