Mein neuer Fuhrpark

Ich habe ein Auto. Was gut ist, denn ich fahre sehr gern Auto, auch wenn das total unökologisch ist; aber ich habe auch noch zwei Fahrräder. Für den Weg zur Arbeit ist das Auto eigentlich die letzte Wahl, weil der Weg zu kurz ist, um den Motor richtig warm­zu­fahren. Der Batterie tut es nicht gut, vor allem im Winter, wenn man mickrige 3 km mit Klima­anlage und Licht und Gebläse fährt und abends nochmal dasselbe. Das macht die Batterie nicht lange mit. Und die Zünd­kerzen verrußen bei diesen häufigen Kurz­strecken­fahrten und, und und… Das hat manches Mal dazu geführt, dass ich, wenn ich denn trotzdem aus irgendeinem Grund mal mit dem Auto zur Arbeit gefahren bin, zumindest auf dem Rückweg manchmal extra noch eine größere Runde über Land gefahren bin, nur damit der Wagen mal warm wird.

Ich kann mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, oder bei schlechtem Wetter mit dem Bus fast von Tür zu Tür. Also perfekte Bedingungen. Der besondere Luxus ist, dass ich eben das Auto nicht für die tägliche, langweilige, öde Fahrt zur Haupt­verkehrs­zeit durch die Innenstadt brauche.

Der ständige Begleiter und ich hatten geplant, irgendwann mal einen gemeinsamen Haus­stand zu gründen, und dann auch eins unserer beiden Autos ab­zu­schaffen. Nun hat er jetzt – vielleicht in einer freudschen Fehl­leistung (oder heißt das „Freudsche“?) – sein Auto aktiv in einen Reihen­unfall ein­gebracht. Die Folge war ein wirt­schaftlicher Total­schaden. Meine Bemerkung, dass es ein Stück weit romantisch ist, wenn er mir auf diesem Weg signa­lisiert, dass er lieber früher als später mit mir zusammen­leben will, fand er nur mäßig witzig.

Weil er aber für den Weg zur Arbeit ein Auto braucht, habe ich großherzig angeboten, er könne dann ja mein Auto nehmen. Und ich würde mich beim örtlichen Carsharing-Anbieter anmelden. Für die maximal zwei Fahrten unter der Woche rechnet sich das allemal.
Gesagt, getan, seit kurzem nutze ich also Carsharing-Autos. Ich war bei der ersten Fahrt natürlich schrecklich nervös, ob denn auch meine Karte zum Ent­riegeln des Autos funktioniert, ob ich den Bord­computer richtig bediene, um an den Schlüssel zu kommen, ob ich nicht durch irgendeinen dummen Fehlgriff die Alarmanlage auslöse, den Motor lahmlege und vieles mehr.
Es hat aber alles wunderbar geklappt, und was soll ich sagen: vom Stand der Technik her war das ein Generationen­sprung. Mein 15 Jahre altes Auto hat eine Zentral­verriegelung ohne Funk, die im Winter nicht funktioniert, elektrische Fenster­heber, von denen im Winter auch einer nicht funk­­tioniert, und, als besonderes Feature aus den 2000er Jahren, eine Anti­schlupf­regelung.
Die Carsharing-Autos haben, obwohl es Klein­­wagen sind, allen modernen Schnick­schnack: beim Abstellen des Wagens einklappende und sogar beleuchtete Außenspiegel und einen beleuchteten Fußraum, was ich auch sehr toll finde. Und es gibt sogar einen „Assistenten“, der beim Einparken (das muss man allerdings noch selbst) die ganze Zeit hektisch piepst und leuchtet. Haben das jetzt alle Autos? Diesen Assistenten finde ich etwas anstrengend. Ich habe eben noch zu einer Zeit den Führer­schein gemacht, als die zu enge Annäherung an andere Objekte durch ein Knirschen signalisiert wurde. Klar, das war auch nicht immer schön, und vor allem teuer.

Und dann stehe ich das erste Mal an einer roten Ampel und stelle fest – die Karre ist aus. Panik! Schreck! Ich gucke hektisch um mich, wundere mich, dass die Batterie­leuchte sich gar nicht meldet, frage mich, was ich nun tun soll, und merke beim reflexhaften Tritt auf die Kupplung, dass der Motor wieder anspringt. Noch so ein Feature, bei dem ich nicht sicher bin, ob es (also dieses ständige Aus- und Wieder­anschalten des Motors) tatsächlich irgendeinen positiven Effekt hat. Und ich schlage jetzt NICHT den Bogen zu VW und den Abgas­werten…

Alles in allem kann ich sagen: ein guter Tausch eigentlich. Ich habe mein technisch etwas an­geschlagenes, un­auf­geräumtes und leicht verqualmtes Auto ab­gegeben, und zur Be­lohnung darf ich unter der Woche in tipptopp gepflegten, modernen und perfekt funk­tionierenden Fahr­zeugen unterwegs sein!

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