Fremdschämen für Fortgeschrittene

Tja, was soll man davon halten:

Menschen verlassen ihre Heimat in der irrigen Ansicht, sie würden im Ankunfts­land mit offenen Armen empfangen. Als hätte man nur auf sie gewartet und als kämen sie in ein Paradies, wo Milch und Honig fließen. Meist zu Hause wirt­schaftlich gescheitert, lassen sie alles hinter sich zurück und stolpern plan- und ziellos in ihr neues Leben, manchmal sogar mit einem Schwung wehrloser Kinder im Schlepptau.

Sie haben sich keine Gedanken darüber gemacht, ob Menschen wie sie überhaupt in der neuen Heimat gebraucht werden. Meist können sie nicht einmal die Landes­sprache, sie haben keine Ahnung von Sitten und Kultur der neuen Heimat, aber erwarten, dass sie dort das große Geld verdienen.

Diese Leute sollen doch mal darüber nachdenken, dass sie im neuen „Heimatland“ auch ein Stück weit Bot­schafter ihrer alten Heimat sind. Und dass man glaubt, dort, wo sie her­kommen, sind alle wie sie: unkultiviert, schlecht aus­gebildet, und mit einer Anspruchs­haltung, die ihresgleichen sucht!

Ich habe keinerlei Verständnis für ein solches Verhalten, und auch nicht dafür, dass diese Menschen durch gewissen­lose Medien auch noch in ihrem Tun ermutigt werden!

Deshalb sage ich:

SCHLUSS! Es muss endlich Schluss sein!

Stoppt Auswanderer-„Dokus“ wie „Goodbye Deutschland“, erspart uns den Anblick von gescheiterten Existen­zen, die uns im Ausland blamieren, und investiert das Geld lieber dort, wo es wirklich gebraucht wird, zum Bei­spiel für Menschen, die vor Krieg und echter Not geflüchtet sind…

So, jetzt aber mal weg von der zugegebenermaßen leicht irreführenden Einleitung. Ich lande gelegentlich beim Zappen bei einer „Auswandererdoku“. Und ich habe es bis jetzt, trotz bester Vorsätze, noch nie geschafft, diese Geschichten, die das Privat­fern­seh­leben schreibt, zu Ende zu schauen. Das Dargebotene ist einfach so schlecht, da kann man besser zwei Stunden der Wäsche beim Rotieren in der Maschine zusehen, als sich so etwas anzutun.
Und deshalb weiß ich gar nicht, ob Mandy und Kevin, Gerhard und Jutta, Sabrina und Sebastian, oder wie auch immer sie heißen, ihr Glück in der Fremde gemacht haben. Eigentlich ist das so gut wie ausgeschlossen.

Wie wählen die Sender eigentlich aus, wen sie für teures Geld ins Ausland begleiten?
Ich stelle mir das so vor: Auswanderwilligen wird ein Fragebogen vorgelegt, mit Fragen wie:

– Haben Sie eine abgeschlossene Berufsausbildung?
– Sprechen Sie die Landessprache Ihrer neuen Wunschheimat?
– Haben Sie mehr als nur einen Pauschalurlaub in der zukünftigen Heimat verbracht?
– Kennen Sie die Kultur und/oder die wirtschaftliche Struktur Ihrer neuen Heimat?
– Gibt es, wenn auch nur in Ansätzen, eine Art von Businessplan?
– Haben Sie genügend Ersparnisse, um eine Durststrecke zu Beginn für ca. 2 Jahre zu überbrücken, bis das Geschäft richtig läuft?
– Haben Sie in Ihrem bisherigen Leben mit Arbeit das Geld für Ihren Lebensunterhalt verdient?
– Gibt es einen „Plan B“, falls alles nicht funktionieren sollte?

Ja, und man hat den Eindruck, die naiven Schäfchen, die mehr als zwei der Fragen mit „ja“ beantworten, werden sofort aussortiert.

Es wäre unfair, hier einzelne Kandidat/inn/en herauszugreifen, weil die nicht erwähnten um nichts besser sind. Aber ein paar Beispiele braucht es doch:

Da gab es ein Pärchen, bei dem beide feste und sichere Jobs hatten, und die nach einem (!) zwei(!)wöchigen Urlaub auf einer Karibikinsel beschlossen haben: da müssen wir hin. Und zwar als Fremden­führer. Allerdings ohne die Insel zu kennen (wie auch, nach 2 Wochen Strandurlaub?), ohne Fremd­sprachen­kenntnisse, und nur 5 % der Touristen auf der Insel kommen überhaupt aus Deutschland.

Oder die Frau, die auf den Kanaren Wanderungen mit Windhunden anbieten wollte. Also dass sie deutschen Touristen ihre Wind­hunde überlässt, wenn die denn mal mit Hund spazieren gehen wollen. Das wäre eine schöne Rechen­aufgabe für den Dreisatz:
Wenn Frau XY 3 Hunde hat und alle 4 Tage jemanden findet, der unbedingt einen von ihren Lieblingen gegen Geld an die Leine nehmen möchte – wie teuer muss dann eine Stunde Hundeverleih sein, damit Frau XY ihren Lebens­unterhalt und den der Hunde bezahlen kann? Ja, manche Zahlen sind fast schon zu groß, um sie dar­zustellen.

Oder die Kandidaten, die auf den Balearen Matratzen an Hotels verkaufen wollten. Selbstredend ohne Ahnung von Matratzen zu haben oder davon, wie und wo Hotels ihre Ausstattung kaufen.

Nun gut, wahrscheinlich bin ich naiv, und es sind mitnichten echte Auswanderer, sondern es handelt sich um mehr oder weniger „mani­pulierte“ Realität, und das eine oder andere wird sicher auch dem Fernseh­team zuliebe getan oder gesagt. Oder es ist eine vollständige „Scripted Reality“, aber das macht es nicht besser. Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich bescheuert benehmen oder plan­los im „neuen Leben“ umher­irren, hat doch bestenfalls Unter­haltungs­wert, wenn man entweder extrem betrunken ist oder den IQ einer Tüte Kartoffel­chips hat!

Aber offensichtlich stimmen ja die Quoten, denn solche Sendungen werden zur „Prime Time“ gezeigt. Was sagt das bloß über uns Deutsche aus?

Und die Menschen im „Gastgeberland“ begucken sich die peinlichen Figuren und den ganzen Fernsehrummel und sagen sich: „Ach, solche Menschen leben also im Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Erfinder. Und dort hat man sogar Geld dafür, sie mit Kameras zu begleiten.“ Wie peinlich ist das denn? Können die sich nicht zu Hause zum Horst machen?

Das wird nur noch getoppt von den Pappnasen, die man im Ausland bei der Frauensuche begleitet, aber das ist einen neuen Text wert…

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2 Antworten zu Fremdschämen für Fortgeschrittene

  1. Dampfbloque schreibt:

    Kopf von Nagel + Hammer = getroffen!
    Ich habe mich dazu in meinem Blog leider noch nicht geäußert, aber diverse Gedankenfetzen (und ein Lied) werden bald zu einem formvollendeten, vernichtenden Beitrag verwurstet. Die Checkliste zur Kandidatenauswahl ist dem, was ich beim Sehen solcher Formate denke, erschreckend ähnlich.
    Dieser Blog wird nun verfolgt. Vielen Dank für diesen Artikel.

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    • Ätzblogger schreibt:

      Gerne :-).
      Ja, es bringt mich immer wieder ins Grübeln, wenn ich bei solchen Formaten denke „ach, wir sind also die entwickelte Gesellschaft, die sich aus dem Sumpf der niederen Instinkte herausgehoben hat“ – wenn man sich so etwas beguckt, dann wohl eher nicht…

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