Mein analoger Navigator

Wenn man in unbekannten Gefilden unterwegs ist und zu zweit im Auto sitzt, kann es mal sein, dass der/die Beifahrer/in den richtigen Weg zum Ziel weisen muss. Natürlich kann man auch mit dem Navi fahren.
Aber zum einen ist die elektronische Wegführung nicht immer die beste, außerdem verliert man komplett die Orien­tierung, wenn man 500 km nur nach „bitte jetzt die Ausfahrt wählen“ fährt. Es gibt ja immer wieder launige Zeitungs­berichte über LKWs, die auf Feldwegen versackt sind, und Menschen, die beim Ein­programmieren des Ziels nicht darauf geachtet haben, dass es den gesuchten Ortsnamen ungefähr 200 Mal in Deutschland gibt, und ans falsche Ende der Republik gondeln. Alles, was nicht direkt als Adresse ein­programmierbar ist, wird mit dem Navi ohnehin zum Problem.
Aus Zeiten, aus denen man noch nicht einmal wusste, dass es eines Tages Navis geben würde, habe ich eine gewisse Routine im Kartenlesen und Wegweisen übrig­behalten.

Nun ist es bei uns so, dass wir häufig mit meinem Auto in den Urlaub fahren. Und da ich gern Auto fahre, fahre ich auch gern selbst (im Großen und Ganzen teilen wir uns das Fahren) und setze mich nicht mit den Worten „fremde Straßen sind mir eh viel zu anstrengend“ auf den Beifahrer­sitz. Also sitzt dort der beste Begleiter der Welt und navigiert.
Das wächst sich gelegentlich zu einer mittelschweren Belastungs­probe für unsere Be­ziehung aus.
Wobei ich ganz sicher bin, dass mein ständiger Begleiter bestimmt nicht auf diese perfide Art den Fahrersitz erobern will (man kennt ja die Anekdoten von Männern, denen dauernd das Geschirr herunterfällt, bis man (frau) es gleich selbst spült).

Also, die Sache mit dem Navigieren. Wenn wir zum Beispiel einen Parkplatz suchen, von dem aus wir eine Wanderung starten wollen.

Es fängt damit an, dass mein Begleiter ganz leicht kurzsichtig ist. Nicht so kurzsichtig, dass er immer eine Brille braucht, aber beim Auto­fahren trägt er freiwillig eine. Als Beifahrer nicht. Das führt dazu, dass er Orts- oder Hinweis­schilder erst dann entziffern kann, wenn wir 20 m davor sind und folge­richtig erstmal dran vorbeifahren. Oder ich sage so etwas wie „da steht ‚Zufahrt Parkplatz Nord‘ – müssen wir da raus?“ und er antwortet (die Augen zusammen­kneifend) „wo steht das?“, und dann sind wir dran vorbei, wenden bei der nächsten Gelegen­heit und stellen dann fest, dass man an der Stelle nicht aus der Gegen­richtung abbiegen kann. Mittlerweile trägt er auf meinen nachdrücklichen Wunsch auch als Bei­fahrer die Brille, wenn er uns den Weg weisen muss.

Der nächste Punkt ist, dass er interessanterweise zu den Männern gehört, die die Karte immer drehen müssen, damit sie der gerade passenden Richtung entspricht. Das mit dem Karten­drehen­müssen wird ja häufig den Frauen zugeschrieben, bei uns ist es umgekehrt. Ich drehe praktisch nie, er sehr häufig, und mich verwirrt es endlos, wenn er mir die Karte mit den Worten „Guck du doch mal drauf“ entgegen­hält und alles auf dem Kopf steht.

Ich habe mal eine Sammlung der Sätze aufgestellt, die mein ständiger Begleiter am häufigsten beim Kartenlesen sagt:

„Wo sind wir eigentlich jetzt genau?“
„Ich finde das auf der Karte nicht!“
„Ich glaube, jetzt weiß ich, wo wir sind – ich zeig‘s dir mal auf der Karte.“ (Was natürlich während des Fahrens in unbekannter Umgebung nicht so günstig ist)
„Wie hieß das nochmal, wo wir hin müssen?“
„Sag mal, mussten wir nicht hier rechts abbiegen?“ (Woher soll ich das wissen? Er hat die Karte.)
„Also das ist hier nicht eingezeichnet!“

(dieser Text ist übrigens vom ständigen Begleiter autorisiert 🙂 )

Wir fahren dann gern einmal die nächste Park­möglichkeit an, schauen gemeinsam in die Karte, versichern uns gegen­seitig, dass wir uns ganz doll liebhaben, ich ent­schuldige mich für einen gereizten Unterton, der sich eventuell ein­geschlichen haben könnte, und irgendwie kommen wir dann meist doch passend an. Und haben noch etwas von der Gegend gesehen…

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