Kräht der Hahn auf dem Mist…

… ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist. So lautet eine alte Bauernregel.
Man könnte noch eine neue formulieren:
Ob Regen oder Sonnenschein – die Ernte könnte besser sein.

Gerade gab es die traditionelle Stellungnahme des Bauernverbandes zur Erntesituation des Jahres. Und – Überraschung, Überraschung! – die Bauern sind nicht zufrieden. Das Früh­jahr war zu trocken, der Sommer bis jetzt auch suboptimal, und bei dem unsteten Wetter können sie auch nicht so mit dem Mähdrescher auf die Felder, wie sie gern würden. Folge dürfte sein, dass manche Getreide­sorten knapp und damit teurer werden.
Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass die Bauern sich jedes Jahr über das Wetter beschweren und ankündigen, dass die aktuelle Wetter­situation definitiv zu Minder­ernten und damit Preis­steigerungen führen wird?

Mal sind die Ergebnisse für die meisten Getreide-, Obst- und Gemüse­arten recht gut – dann hätten sie besser sein können; die durch­schnittliche Steigerung dürfe nicht darüber hinweg­täuschen, dass einige Bauern wegen des Wetters ordent­liche Verluste gemacht hätten (dabei unter­schlagend die Folgerung, dass, allem, was unter dem Durch­schnitt ist, auch etwas über dem Durch­schnitt entgegensteht, wie das bei Durch­schnitten halt so ist…).
Dann wieder sind zwar die Erträge gegenüber denen des Vorjahres gestiegen, aber die Bauern hätten trotzdem mit Widrig­keiten beim Wetter zu kämpfen gehabt.
Oder alles, was Mutter Natur und Onkel Monsanto auf unseren Äckern wachsen lassen, zeigt deutliche Stei­gerungen gegenüber dem Vorjahr – dann liegt das daran, dass die Vorjahres­zahlen einfach so miserabel waren, dass eine Steigerung praktisch unausweichlich war.
Der Winter ist immer entweder zu kalt oder zu mild, das Frühjahr gern zu warm oder zu feucht (oder angesichts der Wärme zu trocken), und die Nieder­schläge immer an der falschen Stelle und entweder zu kurz oder zu stark!
Es gab mal ein Jahr, da war wirklich nichts zu meckern – praktisch alle Früchte von Feld, Baum und Strauch konnten in sehr guter Qualität und in großen Mengen bei perfekten Rahmen­bedingungen geerntet werden. Und was hört der Verbraucher? Jaaa, das Über­angebot führt natürlich zwangs­läufig zu einem Preis­verfall, was in der Folge die armen Bauern an den Rand des Ruins treiben könnte. Und dazu noch der Mindestlohn!

Es ist ja gar keine Frage: Land­wirtschaft lohnt sich nicht immer, und gerade kleinere Betriebe haben unter Umständen richtig zu kämpfen, ins­besondere, wenn sie keine Nische finden, in der sich noch Geld verdienen lässt. Aber so geht es in allen Branchen, und auch als Land­wirt darf man doch mal zugeben, wenn es gut läuft. Und muss nicht immer alles aufs Wetter schieben. Andererseits trägt es immer zu meiner Erheiterung bei, wenn es all­sommerlich wieder heißt: „der Bauern­verband gibt eine Erklärung zur dies­jährigen Ernte­situation ab“.

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2 Antworten zu Kräht der Hahn auf dem Mist…

  1. Jürgen Schwarze schreibt:

    Die Bauern sind in dieser Hinsicht nicht viel anders als z. B. die Unternehmer, von denen auch ein beachtlicher Anteil immer wieder die schlechte wirtschaftliche Lage, die hohen Steuern, die hohen Lohnkosten und noch diverse andere Dinge beklagt. Gelegentlich ist wahrscheinlich auch das Wetter dabei, denn das kann sich ja auch negativ auf die Konjunktur auswirken. Letztlich zeugen alle diese Klagen jedoch nur von der Phantasielosigkeit bzgl. Problemlösungen auf der einen und von der Abgebrühtheit beim Abkassieren von Subventionen und Fördermitteln auf der anderen Seite.

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