Erdrotation und Hummeln

Diese Woche gab es wieder eine Schaltsekunde. Die braucht man, weil die Erdrotation um Nuancen langsamer ist, als es die „Atomzeit“ misst.

Am interessantesten an dieser Schaltsekunde fand ich, wie die Medien damit umgegangen sind.

In den Nachrichten gab es die Formulierung „… die Erdrotation hinkt der Atomuhr hinterher“, im Netz konnte man Überschriften lesen wie „Im Juli bleibt die Zeit stehen […], weil die Erde nachgeht“ (http://www.n-tv.de/wissen/Im-Juli-bleibt-die-Zeit-stehen-article15382756.html).

Was? Die Erdrotation hinkt der von Menschen konstruierten Atomuhr hinterher? Wie kommt diese vertrödelte Erde denn dazu?
Dieser unperfekte Riesenball kann sich also nicht mal gescheit an Uhrzeiten halten. Wo sich doch der all­wissende und alles verstehende Mensch so viel Mühe gemacht hat, eine akkurat genau gehende Uhr zu konstruieren, damit wir alle immer auf die Sekunde passend alles und jedes bestimmen können. Aber diesem unzuverlässigen Gastgeber­planeten ist das egal. Mal wird ein bisschen mehr lang­samer rotiert, mal ein bisschen weniger langsamer, so dass mensch noch nicht mal die Schaltsekunden gleichmäßig verteilen kann…

Die Denke, die sich hinter solchen Formulierungen verbirgt, nämlich dass nicht die Welt die Realität bestimmt, sondern unsere Idee von der Welt, ist komplett größenwahnsinnig.
Zu dem Themenkomplex könnte man endlose Texte schreiben, die allerdings keiner lesen würde… Z. B. ist die Geschichte von der Hummel, die zu doof ist, die Grund­lagen der Aero­dynamik zu verstehen (und deshalb fälschlicherweise fliegt), seit langem als Folge einer Fehlannahme bekannt. Aber besorgnis­erregend ist auch in diesem wenig dramatischen Fall , dass Falsch­annahmen so lange Bestand haben, bis sie jemand widerlegt (und das absolut dogmatisch wie z. B. zum Modell der Erde als Scheibe oder zum geozentrischen Denkansatz). Trotzdem glauben alle Natur­wissenschaftler unbeirrbar daran, dass sie eine Art von absoluter Wahrheit gefunden haben, und verkennen, dass sie einfach die Welt auf eine Art der Betrachtung reduziert haben, die sie geistig erfassen können. Und so konstruiert man eben auch mal eine „absolut genaue“ Uhr und kommt dann zu der Formu­lierung, dass die Erde „nachgeht“.

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