Smart Phone

Ich wurde kürzlich beim Sport nach meiner Handynummer gefragt, man könne dann ja für alle Teilnehmer eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe aufmachen. Die Reaktion auf meine Antwort, ich hätte gar kein Smartphone, weil mein Tastenhandy noch funktioniert, hat mich ein bisschen irritiert. Ich wurde erstmal mitleidig angeguckt. Dann wurde ich gefragt, ob ich denn eine Flatrate hätte. „Du weißt schon, Internet-Flatrate, wo du surfen kannst, soviel du willst“.
Hey, ich wohne nicht in einem Erdloch, ich habe nur kein Smartphone. Etwas später bekam ich noch den Hinweis „So einen Smartphone-Vertrag kriegst du übrigens schon ganz billig, für unter 10 Euro im Monat!“
Spätestens da kam ich mir vor wie jemand, dem selbst ein Hartz-4-Empfänger noch was von seinem Geld abgeben würde.
Als ich meine Tochter fragte, was sie davon hielte, wenn ich mir demnächst ein Smartphone kaufe, seufzte sie nur „Na endlich!“

Muss dieser Smartphone-Hype sein? Ja, man konnte mir bisher keine lustigen Videos aufs Handy schicken. Wenn ich mir allerdings angucke, was für einen Müll erwachsene Menschen auf ihrem Smartphone sammeln, um sich wieder und wieder über quietschende Kätzchen, pöbelnde Hamster und ähnliches kaputtzulachen, kann ich darauf wohl verzichten.
Und ich kann nicht unterwegs meine Mails lesen, aber auf so einem mickrigen Handy-Display ist das ohnehin nicht so sinnvoll. Ich besitze einen Rechner und einen Internetzugang. Ich habe einen Schreibtischjob und nicht das Bedürfnis, nach Feierabend ununterbrochen online zu sein. Wenn mir jemand mitteilen will, dass der Sporttermin ausfällt, kann er mir eine SMS schicken.

Trotzdem verspüre ich langsam einen schon nicht mehr subtilen Druck, mir ein Smartphone zuzulegen, damit ich mithalten kann. Und eigentlich will ich das nicht – vor allem den Druck.

Ich brauche mein Handy eigentlich nur zum Telefonieren und SMS-Schreiben. Gut, auf den Fotos, die ich damit mache, ist kaum etwas zu erkennen, Selfies gehen schon mal gar nicht. Und manchmal vermisse ich die Möglichkeit, mal schnell online gehen zu können, um eine Adresse, eine Telefonnummer oder die Öffnungszeit von irgendwas nachzuschauen. Aber ganz ehrlich: lebenswichtige Informationen sind das meist nicht, bzw. keine, die man nicht auch vorher einholen kann. Außerdem ist ja irgendwo in der Nähe immer jemand mit Smartphone, den kann ich fragen :-).
Mein verkratztes Handy mit dem verflusten Display passt bequem in die Hosentasche. Es kann nicht verbogen werden. Und ich kann in einer Hand einen Döner halten und mit der anderen das Handy und eine SMS schreiben. Weil das Ding noch Tasten hat und keine winzige Touchscreen-Tastatur, bei der ich mit meinen Wurstfingern eh immer danebentippen würde.

Ich mag auch nicht bei der Krake „Whatsapp“ mitmachen, bei der es, seit sie den Besitzer gewechselt hat, noch mehr Datenschutz-Warnungen als vorher gibt.

Kürzlich bekam ich mehrfach eine SMS von einer Freundin mit der „Einladung“, doch auf meinem Smartphone Whatsapp zu installieren. Zwischendurch gab es noch eine relativ verzweifelte SMS von ihr, sie wisse ja, dass ich kein Smartphone habe, sei aber gezwungen, die Einladungs-SMS zu schicken.

Immerhin habe ich neulich mitbekommen, wie man clever auf die Whatsapp-Frage antwortet. Natürlich nicht so trottelig wie ich mit „ich habe gar kein Smartphone“, sondern „ich habe kein Whatsapp“ – was sich immer noch mit grundsätzlichen Erwägungen zum Thema Datenschutz begründen ließe.

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