Notizen aus dem Krankenlager

Ich dachte, ich hätte sie umschifft, indem ich durch konsequent unhöfliches Ver­halten meine Mit­menschen auf Abstand gehalten habe. Aber nun hat mich die Erkältungs­welle kurz vor Winter­ende doch noch erwischt.

Mit einer rekordverdächtigen Anlaufzeit von ca. 15 Minuten hatte ich plötzlich von „gesund“ auf „dem Tode nah“ umgeschaltet. Das hat mich sehr irritiert, und ich habe nach dem ersten Kranken­tag meine nähere Umgebung pausenlos voll­gequengelt. Angesichts von fast 39 °C Fieber (naja, jedenfalls deutlich über 38) war ich überzeugt, die Nacht nicht zu über­stehen und jammerte so lange vor mich hin, bis meine Tochter mich an­guckte und sagte „Du hörst dich ja schlimmer an als ein Mann!“ Das fand ich richtig gut, und wäre ich nicht so ent­setzlich krank gewesen, hätte ich sogar drüber gelacht…

Ich konnte mal wieder das Fernsehprogramm für Menschen mit Tagesfreizeit in Augenschein nehmen. Und ich bin den Fernseh­sendern wirklich dankbar, dass es neben der Grusel­schiene „Scripted Reality“ mit High­lights wie „Verklag mich doch!“ oder „Die Trovatos“ (diese extrem prolligen Privat­detektiv­darsteller – oder richtiger: Darsteller von extrem prolligen Privat­detektiven – muss man wenigstens einmal fünf Minuten gesehen haben) immer noch Tier­doku­menta­tionen (danke, öffentlich-rechtliches Fernsehen!) und die guten alten ameri­kanischen Sitcoms gibt, mit denen man sich über den Tag retten kann. Immerhin bin ich so bei „Big Bang Theory“ über die „Beziehungs­rahmen­vereinbarung“ gestolpert, die sich vor der Gründung eines gemeinsamen Hausstandes unbedingt empfiehlt.

Ein weiteres Phänomen ist, dass man so richtig weggammelt, wenn man tagsüber allein zu Hause ist. Man schlurft in Jogging­zeug und Woll­socken durch die Wohnung und kann benutzte Papier­taschen­tücher, leere Tee­tassen und schmutziges Geschirr um sich herum verteilen, ohne dass es jemanden stört. Man muss sich schon richtig zwingen, wenigstens die grund­legenden Körper­reinigungs­maß­nahmen vorzunehmen, denn mal ehrlich: so einem zu­gerotzten Menschen kommt eh niemand nah genug, als dass auf­fallen würde, ob der nun frisch geduscht ist oder nicht. Und das ermöglicht einem, irgendwann auch das Signal zum Wieder­eintritt in die zivilisierte Gesellschaft zu geben: Haare­waschen, ordentliche frische Klamotten anziehen, und man kann sich wieder in der Welt der Gesunden zurück­melden!

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2 Antworten zu Notizen aus dem Krankenlager

  1. Anonymous schreibt:

    Danke 🙂 – aber an wen geht der Dank?

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  2. Anonymous schreibt:

    Gute Besserung
    A aus Jö

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