Die Maklergebühren und das „Bestellerprinzip“

Ein neues Gespenst geht um unter deutschen Maklern: es heißt „Besteller­prinzip“! Große Kata­strophen werden vorhergesagt, wenn dieses Prinzip erst mal Gesetzes­kraft hat, was für ca. Mitte 2015 erwartet wird.

Was ist das für eine fast schon skandalös anmutende Rosskur, der man zwei von drei Beteiligten des Immobilien­marktes (nämlich die Immobilien­besitzer und die Makler) unterziehen will?

Im Gewerbe der Immobilienvermittlung soll eine Praxis ab­geschafft werden, die dort seit Jahren gang und gäbe ist. Sie hat bisher für einen kom­for­tablen Zustand im Makler­gewerbe und Ver­hältnisse wie am frischen Meisen­knödel im Früh­sommer gesorgt: ein Vertrags­partner (nämlich der Immobilien­besitzer) schaltet einen Dienst­leister ein und – so ist der Brauch – der andere Ver­trags­partner (nämlich der Mieter/Käufer) bezahlt diesen Dienst­leister. Eigentlich eine schöne Konstruk­tion – und wer als Immo­bilien­besitzer bisher keinen Makler auf Kosten des Mieters/Käufers eingeschaltet hat, der gehörte ja schon fast wegen Dumm­heit verprügelt.
Der Makler macht Fotos, inseriert die Immo­bilie, sichtet die poten­tiellen Mieter/Käufer, macht eine Bonitäts­prüfung und führt die Be­sich­ti­gungen durch – und der Mieter/Käufer bezahlt ihn. Warum also soll sich der Immo­bilien­besitzer selbst diese Arbeit machen?

Aber nun soll das „Bestellerprinzip“ kommen – mit dem für Immobilien­eigner und Makler sicher exotisch anmutenden Grundsatz, dass, wer die Musik bestellt, sie auch bezahlt.
Diese Änderung wird, wenn man den Branchen­sprach­rohren glauben darf, übelste Konse­quenzen nach sich ziehen. Zum Beispiel (alle Zitate: http://www.makler-vergleich.de) „Die Vermieter könnten versuchen, ihre Mieter ohne Ein­schal­tung eines Maklers zu finden.“ oder „Wenn Wohnungs­eigen­tümer (…) auf einen Wohnungs­makler verzichten, könnten Makler­existen­zen gefährdet werden.“ oder – man mag es sich kaum vor­stellen: „Nur den­jenigen Maklern werden (…) gute Geschäfts­aus­sichten zu­ge­sprochen, die ihre Kunden durch fachliche Quali­tät über­zeugen.“

Zu gut deutsch also: man müsste sich um den Kunden bemühen, außer­dem für sein Geld eine an­ge­messene Leistung ab­liefern, und wer das nicht schafft, ver­schwindet womöglich vom Markt.

Ja, das wäre in der Tat dramatisch.

Es wäre ja noch schöner, wenn für Makler dieselben Wett­bewerbs­be­din­gungen gelten würden wie für, sagen wir, Hand­werks­betriebe, Steuer­berater oder Werbe­agenturen. Wobei in immerhin zwei der drei ge­nannten Branchen mehr oder weni­ger hohe Hürden bestehen, um dort über­haupt tätig sein zu dürfen, während jeder Mensch mit einem sauberen poli­zei­lichen Führungs­zeugnis und einem Gewerbe­schein (zum Preis eines mittel­großen Abend­essens) Immo­bilien makeln darf.

Die sozialen Folgen sind völlig un­über­schaubar: es ist ja schon mal ein erster Bonitäts­nachweis, wenn ein Mieter sowohl 3,57 Monats­mieten Makler­gebühr als auch 3 Monats­mieten Kaution berappen kann – dann kann er so schlecht situiert nicht sein. Makler müss­ten sich womöglich vor Ver­trags­ab­schluss dem Vermieter präsen­tieren und bisherige Lei­stungen nach­weisen. Und statt in einem schicken, von Mietern/Immobilien­käufern finan­zierten Dienst­wagen herum­zu­fahren und viel zu sehen, würden Horden von aus dem Markt gekickten Ex-Immo­bilien­maklern mangels ander­wei­tiger Quali­fi­ka­tion den ganzen Tag die Grün­züge be­völkern und wo­möglich aus alter Gewohn­heit Geld für die Über­lassung eines Plätz­chens auf der Parkbank verlangen.

Wollen wir das? Der sozial engagierte Gutmensch in mir sagt „nein, auf gar keinen Fall“. Wir brauchen Lichter­ketten und Mahn­wachen gegen das Aus­hungern der Makler! Wie wäre es mit einer Bewegung „AMÖBE Makler – Aufrechte Mieter gegen die öffentlich betriebene Enteignung der Makler“?

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