Unterhaltsrecht im Barbie-Traumland

Es ist mal wieder an der Zeit für einen polemischen Ausfall. Gegen Mütter, und zwar solche wie die beiden, die in der „Süd­deutschen Zeitung“ vom vergangenen Wochen­ende zu Wort kommen in einem Artikel über das 2008 reformierte Unter­halts­recht und die Schwierig­keiten, die daraus ins­besondere für Mütter mit mehreren Kindern entstehen. Eigentlich schließt diese polemische Attacke auch die Redakteurin mit ein, die den immerhin ganzseitigen Artikel verfasst hat.

Die eine Frau hat 3 Kinder (eins aus der aktuell geschie­denen Ehe sowie zwei, die sie schon vorher hatte). Sie wird zitiert mit den Worten „Dass ich mit Mitte 40 mal in einer Miet­wohnung hocken würde, hätte ich nie gedacht“ (ich weiß nicht, ob jemandem beim Lesen dieser Worte die Tränen kommen sollten, mir jedenfalls kam die Galle hoch). Und die Frau lässt in dem Artikel resigniert ihren Blick über den Laminat­boden und die IKEA-Möbel in der Miet­wohnung schweifen. Das Leben kann grausam sein! Sonstige Infor­mationen zum Opfer: Papier­kram ist ihr seit jeher schwer gefallen, das hat immer ihr Mann gemacht, ihr Lebens­konzept hieß eigenes Haus und viele Kinder (Input ihrerseits: Gebärfähig- und -willigkeit). Sie hat nach der (letzten) Hochzeit ihren Dol­metscherinnen-Job auf­gegeben (wohlgemerkt, bevor das gemeinsame Kind unterwegs war), also sich und die Kinder aus einer früheren Be­ziehung durchfüttern lassen („ich habe mich bewusst für Kinder und Familie und gegen die Karriere entschieden“). Nicht lange nach der Geburt des dritten Kindes stellte sich heraus, dass dieses Konzept die Ehe nicht tragen würde.

Nun greint die Frau, dass das garstige Unterhalts­recht dafür sorgt, dass sie, statt im eigenen Haus, in der besagten schäbigen Miet­wohnung hausen muss und mit mickrigen 1665 Euro Unter­halt plus Kinder­geld für drei Kinder ab­gespeist wird.

Die andere Frau hat vier Kinder, davon zwei aus vorherigen Be­ziehungen, und ihr Informatik(!)studium(!!) als Ein­kommens­quelle außen vor gelassen, weil sie es besser fand, 16 Jahre ausschließlich mit der Kinder­erziehung zu verbringen. Die Finanzen hat immer ihr Mann ge­regelt, deshalb waren plötzlich Schulden da, von denen sie vorher nichts wusste. Sie hat nun „wie viele Allein­erziehende“ gelernt, „den Alltag an den Geld­beutel an­zu­passen“.

Was hält denn die gute Frau für den Normalfall in der Gesellschaft? So ziemlich jeder muss wohl „den Alltag an den Geld­beutel anpassen“. Wir sind schließlich nicht im „Denver Clan“ oder in der Vorabend-Soap „Reich und Schön“.

(Bevor ich jetzt weiter­poltere, eine An­merkung: ich weiß, wovon ich rede. Ich war selbst alleinerziehend und hatte auch keine un­limitierte Kredit­karte zur Verfügung. Dafür aber eine Teilzeit­stelle in dem Beruf, den ich erlernt habe.)

Ich frage mich, ob die „SZ“ keine wirklich betroffenen Mütter (oder Väter) finden konnte, denen gegenüber das neue Unter­halts­recht tatsächlich un­gerecht ist.

Sondern nur zwei Damen, deren Plan darin bestand, dass man (frau) gern seine Rech­nungen von jemand anderem be­zahlen lässt – und seien wir ehrlich: ein Maler­geselle taugt für so einen Plan nicht. Und darin, dass man eine staatlich finanzierte Hoch­schul­ausbildung (und das sogar in einem „harten“ Mangelfach, in dem man richtig Geld hätte verdienen können, auch freiberuflich oder im Homeoffice) wegschmeißt, um das Bildungs­niveau am Sand­kasten oder beim Mütter­frühstück in der Gemeinde zu heben.

Und die jetzt, wo der Seiltanz ohne Sicherungs­leine schiefgegangen ist, jammern, dass das Netz, in das sie ge­fallen sind, kratzig ist und nicht kuschelig.

Es geht mir nicht darum, dass man seine Kinder mit einem Jahr ganz­tags weggeben soll, damit beide Partner zwölf Stunden am Tag arbeiten gehen können. Es geht mir auch nicht darum, dass Frauen (oder Männer), die um der Kinder willen beruflich zurück­gesteckt haben, dafür bestraft werden, indem ihnen mit einem schnoddrigen „selber schuld“ jegliche Unterhalts­zahlung verwehrt wird. Denn natürlich gehören immer zwei dazu – so ein Ehemann könnte ja auch mal den Mund aufmachen, wenn es ihm nicht passt, dass seine Frau ihn zum Allein­ver­diener macht.

Aber man wird doch wohl erwarten können, dass erwachsene Menschen die Folgen ihrer Ent­scheidungen im großen und ganzen über­blicken können, und dass sie bereit sind, die Kon­sequenzen zu tragen, wenn sie alles auf eine Karte setzen und das Spiel dann schief­geht.

Denn die Ent­scheidung, jemand anderen meinen Lebens­unterhalt verdienen zu lassen, nenne ich riskant!

Gucken die eigentlich alle zu viel Margarine- und Toffifee-Werbung?

Es ist toll (insbesondere für die Kinder), wenn ein Eltern­teil gern zu Hause bleibt, um den Kindern ein schönes Nest zu bieten und dem­jenigen, der das Geld verdient, auch den Rücken fürs Geld­verdienen freizuhalten. Aber es muss auch klar sein, dass irgendwann die Kinder groß sind und dann ein Eltern­teil mit, sagen wir, Mitte 40 nach 15 oder 20 Jahren Komplett­ausstieg wohl kaum ohne Probleme wieder im Berufs­leben will­kommen geheißen wird.

Für diese Situation sollte man zumindest einen ungefähren Plan in der Tasche haben.

Und es muss auch klar sein, dass, wenn die ganze Planung nicht aufgeht (sprich: Scheidung), im Falle von jüngeren Kindern der „verdienende“ Elternteil ganz übel finanziell geschröpft wird, während bei älteren Kindern dem „erziehenden“ Elternteil lakonisch beschieden wird, er/sie möge sich eben einfach einen Job suchen, andere in dem Alter hätten ja auch einen.

Dann sollen die Leute bitte nicht jammern. Nicht die, die gern jahre­lang das warme Abend­essen, die hingestellten Pan­toffeln und das fürs Ego wirklich einzig­artige Gefühl des Allein­ernährers ge­nossen haben und jetzt zahlen sollen. Und auch nicht die, die sich darauf verlassen haben, dass schon irgend­wer ihre Rechnungen bezahlen wird und jetzt merken, dass dieser Plan einen Fehler hatte.

Der Staat ist nicht verantwortlich für gescheiterte Lebens­entwürfe und auch nicht für eine Lebens­planung wie im Barbie-Traumland.

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