Autos und Fahrer

Heute habe ich an einer Ampel hinter einem „Kia Picanto“ gestanden. Es ist ja nichts einzuwenden gegen komische Auto­­namen – auch wenn man sich manchmal fragt, wofür eigentlich die hoch­bezahlten Auto­modell­­namen­­designer/innen ihr Geld bekommen, wenn man das Ganze genauso beim Umtrunk anlässlich des Betriebs­­ausfluges mit einem mindestens gleich­wertigen Ergebnis erledigen könnte.

Ich finde zum Beispiel „VW Up“ ziemlich miss­lungen. Zum einen, weil ich, der Sprach­puristen­­ecke verbunden, nicht nach­­voll­ziehen mag, warum ein deutscher Auto­hersteller mit einem urdeutschen Namen aus­gerechnet so eine sinn­freie englische Sprach­anleihe machen muss. Außerdem ist der Modell­name vorbei, bevor man überhaupt mit­bekommen hat, dass er ausgesprochen wurde. Und wie hört sich das denn an? „Wie findest du eigentlich den Up von unserem Nachbarn?“ „Was? Ab? Was ist bei dem Nachbarn ab?“ „Nein, nicht Ab. Den Up. Uhh Peehh.“ usw. usw.
Der „Mokka“ von Opel ist, zumindest für meine Ohren, auch ein Fehl­griff. Das mag allerdings damit zusammen­­hängen, dass ich mal eine Sendung mit einem lustigen Männerduo (Mundstuhl oder Badesalz, ich weiß es nicht mehr genau) gesehen habe, in der es in einer Geschichte um „Mokka­­höhle“ und „Bernstein­­zimmer“ ging, und das in einem wenig appetit­lichen Zusammen­hang.

Was waren das doch für schöne Zeiten, als Auto­­hersteller noch eine Systematik bei der Benennung von neuen Modell­en hatten. Militärische Grade rauf und runter, Sport­arten, Tier­­gattungen, oder einfach Zahlen und/oder Buchstaben…
Aber einen Opel Cappuccino oder Latte Macchiato gibt es meines Wissens nicht.

Aber zurück zum Kia Picanto. Wir standen an einer Kreuzung, hinter der sich zwei Spuren auf eine verengen, also – Trommel­wirbel! – Reiß­verschluss­­verfahren, die Heraus­forderung für jeden deutschen Auto­­fahrer, weil es in der konkreten Situation keine genaue Anweisung gibt, wer wann wohin zu fahren hat, und weil man sich da irgendwie rein­friemeln muss. Ich versuche, das Reiß­­verschluss­­verfahren entspannt anzugehen, so wie das Autofahren an sich, weil das ja ohnehin die beste Haltung ist. Allerdings durchaus nach dem Motto „wer vor mir ein­scheren will, sollte schneller sein als ich“. Aber ich ahnte, dass es hinter einem Kia Picanto nicht lohnt, den Gang früh­zeitig einzulegen. Und richtig – der Kia beschleunigte ungefähr so wie ein nicht frisiertes Mofa, und 5 Fahrzeuge zogen mühelos an uns vorbei, bevor wir überhaupt die Einfädelungs­stelle erreicht hatten.
Ich habe es mal nachgeschaut – die schwächste Motorisierung bei diesem Modell sind 69 PS. Das ist mehr als ausreichend, um angemessen zu beschleunigen und den Verkehr nicht aufzuhalten.

Es ist wirklich nicht nötig, wenn man ein Auto mit komischem Namen und einem nicht sehr ansprechenden Design hat, auch noch merkwürdig zu fahren. Der beste Begleiter von allen sagt immer „ein Auto wird durch den Fahrer zum Sport­wagen“. Er muss es wissen, sein Auto hat 45 PS. Umgekehrt wird aber auch das Auto durch den Fahrer zum Kabinen­­roller.

Ich saß mal im Auto einer mir nur sehr lose bekannten Frau, es war eins von diesen Spar-Mager­mix­motor-Autos (und jaaa, wir waren zu dritt in dem Auto, was aber immer noch weit von der Maximal­­zuladung entfernt war), wir standen vor einer roten Ampel, zweispurig, neben uns ein 7,5-Tonner. Hinter der Ampel: (mal wieder) Fahrbahn­­verengung auf eine Spur und STEIGUNG (!). Sie also: „ob ich wohl vor dem LKW einfädeln kann?“ Ich, vom Rücksitz: „Klar, du musst nur zügig beschleunigen und darfst nicht zu früh hoch­schalten.“ Die Ampel wird grün, der LKW setzt sich langsam in Bewegung, der PKW eine kaum mess­­bare Spur schneller. Die Fahrerin: „Oh, das wird aber knapp.“ Ich, vielleicht ein winziges bisschen spitz in der Stimm­­lage: „Gib mehr Gas und schalte noch nicht hoch.“ Die Fahrerin nahm den Fuß vom Gas und schaltete hoch. Der LKW schob sich langsam, sehr langsam, rechts an uns vorbei, der Auto­­fahrer (oder die Auto­fahrerin) hinter uns bekam wahr­scheinlich einen Hör­sturz, unsere Fahrerin sagte „der Wagen hat eben nicht so viel PS“ und ich dachte „nicht ohne Grund gehören solche Frauen nicht zu meinen engsten Freun­dinnen“.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Gesellschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s