Die schwarze Null

Eigentlich sollte dies ein Text darüber werden, was eigentlich eine „schwarze Null“ ist. Denn eine Null ist zunächst mal eine Null und damit als einzige der reellen Zahlen weder positiv noch negativ. Und damit auch weder rot (negativ) noch schwarz (positiv), sondern eher farblos transparent. Oder beides gleichzeitig.
Profis behandeln sie auch so:

http://blog.kpmg.de/financial-services/endlich-eine-schwarz-rote-null/

Politiker sind mit der „schwarzen Null“ wohl nicht gemeint, schließlich müsste es dann auch die Begriffe „gelbe Null“ oder „grüne Null“ geben. Vielleicht betrachtet der Normalbürger den Begriff „Null“ im Zusammenhang mit politischem Personal auch als Pleonasmus, weswegen er in diesem Zusammenhang nicht gebräuchlich ist.

Die „rote Null“ gibt es tatsächlich als Begriff, aber dazu später mehr.

Ist der Zusatz „schwarz“ ein Versuch, einer Sache, die mal gerade haarscharf nicht mehr negativ ist, aus lauter Übermut, Augenwischerei, Großmannssucht, oder Unterschätzung des Publikums einen unverdient positiven Anstrich zu geben?

„Wir schließen mit einer schwarzen Null ab“ soll in aller Regel aussagen „wir machen keinen Verlust – aber auch keinen Gewinn“, denn sonst würde man ja mit einem „Plus“ abschließen.

Ja, das alles wollte ich schreiben, bis ich mir, wie es so schön heißt, das Thema kaputtrecherchiert habe.
Denn es gibt sie, die „rote Null“. Sie ist zwar nirgendwo exakt definiert, aber dort, wo neutral und ohne Beschönigungszwang formuliert wird, kann man z. B. so etwas lesen:

http://www.conmoto.de/rote-null-bei-unternehmensinvestitionen-2013/
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schuldenabbau-2013-droht-die-rote-null-im-staatshaushalt/7129022.html

Es scheint also nicht ganz ungebräuchlich zu sein, bei Ergebnissen „nahe Null“ oder mit einer Null vor dem Komma dieser Null dann auch die richtige Farbe zu verpassen.
Allerdings wird es wohl auch in Zukunft so sein, dass, wenn Unternehmen, Institutionen oder Parteien für sich eine „Null“ verkünden, diese immer schwarz sein wird. Und wie jeder weiß, der mit Statistiken und Zahlen zu tun hat: es findet sich immer eine Betrachtungsweise, bei der dann eben der eine Euro, die eine Stimme, das eine Mitglied „Plus“ unterm Strich steht.

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