Weltlachtag

Wer es noch nicht wusste – heute ist, wie seit 1998 an jedem ersten Sonntag im Mai, Weltlachtag. Und weil gut kopiert meist besser ist als schlecht selbstgemacht, hier Auszüge der Definition vom bzw. Infos rund um den Weltlachtag aus Wikipedia:

Die Idee stammt aus der Yoga-Lachbewegung, die weltweit in über 6.000 Lachclubs organisiert ist. Punkt 14:00 Uhr deutscher Zeit (12:00 GMT) wird dabei gemeinsam für drei Minuten gelacht.(…)
In Deutschland treffen sich am Weltlachtag lachende Menschen an zahlreichen Orten. (…)
In der Schweiz findet am Weltlachtag jeweils die Lachparade in Zürich statt. Mehrere hundert Personen laufen lachend in einem Umzug durch die Zürcher Innenstadt, um anschließend ein gemeinsames Lachen um den Erdball zu schicken. Der Anlass wird jeweils mit einem großen Bühnen­programm abgerundet, bei dem auch Clowns, Humor­experten und Kabarettisten auftreten.

Abgesehen davon, dass ich nicht einer Horde grundlos lachender Menschen wehrlos gegenüber stehen möchte, widerspricht gerade die schweizerische Veranstaltung mit Clowns und Kabarettisten dem Grundsatz des Lachyoga, denn die Clowns und Kabarettisten sind doch wahrscheinlich da, um etwas Lustiges zu tun oder zu sagen. Mithin also einen Grund zum Lachen zu liefern. Lachyoga ist jedoch (Quelle: Wikipedia)

eine Form des Yoga, bei der das grundlose Lachen (Sanskrit hasya) im Vordergrund steht. Beim Lachyoga soll der Mensch über die motorische Ebene zum Lachen kommen; ein anfangs künstliches Lachen soll in echtes Lachen übergehen.
(…)
Über den Augenkontakt und spielerische Elemente soll es den Menschen erleichtert werden, vom zunächst willentlichen in das freie Lachen und in einen Zustand kindlicher Verspielt­heit (engl: childlike playfulness) zu gelangen.

Bisher hatte ich eher den Eindruck, dass auch Kinder nicht unmotiviert vor sich hinlachen, sondern immer als Reaktion auf etwas. Sie sind vielleicht weniger pingelig als „ernsthafte“ Erwachsene und können sich über banale Dinge ausschütten vor Lachen, aber, wie gesagt, sie haben einen Auslöser für das Lachen.

In der Tageszeitung gab es einen Bericht über eine „Lachtrainerin“, die organisiert Lach­spaziergänge. Und sie erklärte u. a., dass man ja zum Beispiel, wenn die Ampel gerade ungünstig auf Rot wechselt, gar nicht vor lauter Ärger ausflippen müsse. Man könne sich auch einfach im Auto zurücklehnen und lauthals lachen.

Mal ganz abgesehen davon, dass das ebenfalls ein Bruch mit dem Grundsatz des Lachyoga, dem Sanskrit hasya ist (denn irgendwie fungiert die Ampel ja dann doch als Auslöser für das Lachen): Gelassen­heit und grund­loses Lachen sind doch immer noch zwei Paar Schuhe. Natürlich muss ich vor Ärger über die Ampel nicht ins Lenkrad beißen, sondern kann das gute alte Gelassenheits­­gebet beachten und die rote Ampel mangels Alternativen hinnehmen. Aber angesichts der Ampel in Gelächter ausbrechen (und das womöglich bei offenem Fenster)? So eine MPU ist manchmal näher, als man denkt.
Eigentlich ist mir nur ein Auslöser für grundloses Lachen bekannt, und der hat mit Drogen zu tun.

Ziemlich mutig fand ich, dass diese Frau – wahrscheinlich ungestraft – Lachyoga und Konzentrations­lager ganz zwanglos miteinander in Verbindung gebracht hat, denn „Ja zum Leben zu sagen, selbst in ausweglosen Situationen (…) ist möglich: Selbst im Konzentrations­lager haben Menschen noch gesungen.“ Wobei wohl Einigkeit darüber besteht, dass Singen und Lachen zwei unterschiedliche Dinge sind, und nicht nur das: meist kann man das eine nur, wenn man das andere gerade nicht tut.

Gut, dass die Frau im „Dritten Reich“ noch nicht gelebt hat. So ein „Herr Tannenbaum – oder, wie wir aus logistischen Gründen hier sagen, Nr. 127214 –,nun lachen Sie doch mal ein bisschen. Damit sind Ihre Lebens­umstände doch gleich viel besser zu ertragen!“ hätten engstirnige Gesprächspartner als zynisch werten können.

Wir Ostwestfalen stehen gelegentlich in dem Ruf, zum Lachen in den Keller zu gehen. Tun wir natürlich nicht, wir sind einfach humorlos. Oder sehr anspruchsvoll, was Humor angeht. Es ist halt, wie so vieles im Leben, eine Frage des Standpunktes.

Es gibt so viele schöne Gründe zum Lachen. Wie es beim hochverehrten Vicco von Bülow in „Pappa ante portas“ heißt: „wenn es einen Anlass zum Scherzen gibt, schmunzeln wir auch gerne einmal“. Das kann der unvergessene Lach­flash von Dagmar Berghoff nach ihrem WTC-Versprecher sein. Oder auch „Upps – die Pannenshow“; dort kann man sich endlos über alberne Missgeschicke oder niedliche Tier- oder Kinder­aufnahmen kaputtlachen. So etwas kommt für mich jedenfalls der childlike playfulness erheblich näher als vollkommen grundlos einfach so drauflos zu lachen.

Eigentlich wollte ich hier noch einen meiner Lieblingswitze unterbringen, aber da gibt es so viele politisch unkorrekte oder nicht druck- bzw. internetfähige (wie das bei guten Witzen halt so ist), deshalb mein Appell an alle Blog­leser/innen: heute einfach mal lachen! Zur Not auch im Keller.

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