Plaudertaschen im Bundestag

Es ist schon irgendwie absurd – der Auslöser der ersten größeren „GroKo“-Krise ist eine Angelegenheit, die mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal strafrechtlich verfolgt wird, nämlich der Besitz von Bildern mit nackten Jungs drauf.

Der eigentliche Stolperstein ist, dass einige Herren der Fehlannahme erlegen sind, dass etwas, das man jemandem unter dem Siegel der strikten Verschwiegenheit erzählt, nicht weitergetragen wird. Dabei weiß doch jedes Kind, dass das nicht funktioniert. Weil der neue Geheimnisträger natürlich nichts besseres zu tun hat, als unter dem noch dickeren Siegel der noch strikteren Verschwiegenheit das Geheimnis gleich weiterzuquatschen, usw. usw. Und dafür rollen jetzt Köpfe, bzw. es werden Köpfe gefordert. Gerollt ist der von dem, der es als erster ausgequatscht hat. Gefordert wird u. a. der von dem, der woanders angerufen hat mit der Frage, er hätte da was gehört, und ob denn da wohl was dran sei. Eigentlich müssten hochrangige Politiker doch schon lange genug im Geschäft sein, um zu wissen, mit wem man wann über was plaudern darf und mit wem bzw. über was nicht…

Aber vielleicht war das auch gar keine rationale Entscheidung, sondern irgendwie emotional ausgelöst – es wäre ja, mit viel Phantasie, folgendes Szenario vorstellbar:

Herr Friedrich und Herr Gabriel haben letztes Jahr in irgendeinem Amtsgebäude auf der Herrentoilette nebeneinander gestanden und sind ihren Verrichtungen nachgegangen. Nun weiß ich nicht, wie die Atmosphäre beim gemeinsamen Wasserabschlagen ist, aber ich könnte mir vorstellen, nicht vollkommen entspannt (jedenfalls obenrum). Und so stand man da – je älter Männer sind, umso länger stehen sie statistisch ja angeblich, wegen der Prostata – und versuchte, peinliche Momente zu vermeiden. Da hat Herr Friedrich ein Gespräch angezettelt. Aus irgendeinem Grund entschied er sich für folgenden Smalltalk-Einstieg: „Sigmar, sag mal: ihr habt doch da diesen Edathy, den Pakistani. Hat der eigentlich mit Frauen nicht so viel am Hut?“, und Herr Gabriel hat gesagt „Keine Ahnung, ich weiß nur, dass er wohl bisher noch nicht mit im Bundestags-Stammpuff war. Warum fragst du?“, und Herr Friedrich hat gesagt „Och, nur so. Wir hatten da nur kürzlich mal was über die Kundenliste bei einem Kinderpornoversender gehört. Womit ich aber jetzt nicht gesagt haben will, dass der Edathy da mit drauf steht!“ Woraufhin der Herr Gabriel sagte „Nein, das bleibt unter uns, Hand drauf!“. Letzteres hat Herr Friedrich in dem Moment aus naheliegenden Gründen abgelehnt, womit natürlich klar war, dass sich Herr Gabriel ohne den Handschlag noch weniger an die Geheimhaltungs­aufforderung gebunden gefühlt hat, als er es ohnehin hätte.

Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Wahrscheinlich war alles ganz anders. Aber meine Version gefällt mir besser.

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