Die Öffentlich-Rechtlichen und die Olympischen Winterspiele

Heute möchte ich meinem lieben Freund Peter ein wenig Schützenhilfe leisten. Er hat – nicht zum ersten Mal – bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern die ausufernde Berichterstattung im Bereich Wintersport kritisiert und jeweils freundlich-unverbindliche Textbausteine als Antwort zurückbekommen.

Wenn man sich einmal die PR-Broschüre von ARD und ZDF zu den Winterspielen ansieht (http://www.br.de/presse/inhalt/pressedossiers/sotschi-presseheft-pdf-100.html), ist man tatsächlich sprachlos. ARD und ZDF werben stolz damit, jeweils ca. 120 Stunden Bericht­erstattung in 8 (ARD) bzw. 9 (ZDF) Tage zu packen. Dieses Programm wollen die Sender in bis zu 12 Stunden täglich im ZDF und bis zu 14 in der ARD abarbeiten. Die Tatsache, dass 120 Stunden schon eine durchschnittliche (!) Sendezeit von 15 Stunden bei 8 Tagen bzw. gut 13 Stunden bei 9 Tagen erfordern, mag einem ganz eigenen Zahlen­verständnis im ÖR-Fernsehen geschuldet sein.

Für den Zuschauer bedeutet dies, dass vom 7. bis 23. Februar in der „Kernzeit“ von 7:30 bis 20:15 Uhr nur jeweils einer der beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender überhaupt normales Programm sendet, der andere bedient die nach Ansicht der Sender offenbar mehrheitlich vorhandenen Winter­sport­junkies mit Tages­freizeit. Mal ganz abgesehen davon, dass die 3. Programme und natürlich auch die privaten Sportsender ebenfalls noch Winter­olympiade im Angebot haben.

Ob die Sender damit dem öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag tatsächlich gerecht werden, darf bezweifelt werden.

Ein gutes hat das Ganze aber: in den zweieinhalb Wochen können die Sender große Teile ihrer Belegschaft nach Hause schicken, um aufgelaufene Überstunden abzufeiern – im Sender selbst ist ja nicht viel zu tun. Und die Mitarbeiter/­innen können ihre freien Tage mit dem Genuss von Endlos­bericht­erstattungen von Qualifikations­läufen in exotischen Wintersport­arten verbringen.

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Eine Antwort zu Die Öffentlich-Rechtlichen und die Olympischen Winterspiele

  1. Jürgen Schwarze schreibt:

    Wer die Dokumentation „Putins Spiele“ [1] gesehen hat, kann diese Olympischen Spiele eigentlich nur noch boykottieren.
    [1] http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2032038/Putins-Spiele#/beitrag/video/2032038/Putins-Spiele

    Gefällt mir

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