Neue deutsche Väter

Na, das war aus verschiedenen Gründen mal eine tolle Nachricht im Dezember: Ronald Pofalla zieht sich aus der Politik zurück, weil er mehr Zeit für die Familie (bzw. deren Gründung – noch gibt es ja lediglich eine Lebensgefährtin) haben möchte. Wolfgang Bosbach hat sich bestimmt sehr gefreut.

Ohne Herrn Pofalla jetzt zu nahe treten zu wollen – auch mit reifen 54 Jahren sollten für das Vaterwerden die Stunden nach Feier­abend oder am Wochenende ausreichen…

Dem „Spiegel“ war Herr Pofalla mit seinem familien­bedingten Rückzug sogar eine Erwähnung in der Ausgabe vom 21.12.2013 wert in einem Artikel, in dem es um die „neuen Väter“ im Land geht, die bei der Karriere zugunsten der Familie Abstriche machen.

Gerüchten zufolge geht Ronald Pofalla jetzt zur Deutschen Bahn. Und das in einer Funktion, die seit jeher als familien­freundlich angesehen wird und auf der man deshalb besonders viele Frauen findet: er wird Vorstandsmitglied. Auf einem Vorstands­posten, der eigens für ihn geschaffen wird. Wie gut, dass die Bahn jüngst die Preise angehoben hat – so steht der Finanzierung eines weiteren Vorstands­mitglieds nichts im Weg. Oder wird Herr Pofalla Teilzeit arbeiten, wegen der Zeit und der Familie und so? Dann wäre das ja gar nicht so teuer.

Jetzt empört man sich über den fast nahtlosen Wechsel von der Politik in die Wirtschaft. Mal ganz ehrlich: immerhin wurde eine Scham­frist von fast 3 Wochen zwischen der Mitteilung des Rückzugs aus familiären Gründen und dem Durch­sickern der neuen Betätigung in einer leitenden Position eingehalten.

Außerdem sind alle am Meckern: der kann doch gar nicht Bahn, der kennt sich doch damit gar nicht aus. Na und? Gerhard Schröder kann ja auch nicht Energiewirtschaft und hat sich trotzdem einen Posten bei Gazprom erkämpft. Seit wann werden denn Posten an Politiker nach Quali­fikation vergeben?

Die Gewinnerinnen sind die Frauen: da soll noch mal einer kommen und was von „leitende Funktion und Familie ist nicht vereinbar“ erzählen. Oder von „Entscheidung zwischen Kindern und Karriere“. Also: danke, lieber Herr Pofalla und toi, toi, toi beim Vater­werden!

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