Hausschlachtung und Unschuldslämmer

Wieder hat sich jemand zerstückeln lassen (http://www.zeit.de/news/2013-11/29/kriminalitaet-saechsischer-polizist-toetet-bekannten-aus-kannibalen-forum-29173204), und dieses Mal darf man besonders gespannt sein, ob es der bundesdeutschen Jurisdiktion wieder gelingen wird, ein Mordmerkmal zu konstruieren. Denn der Beschuldigte bestreitet strikt jede sexuelle oder kannibalistische Motivation – nun ja, als Polizist weiß er, wie schnell man sich um Kopf, Kragen und Pension redet.

Armin Meiwes, der „Kannibale von Rotenburg“, hat 2001 den Fehler gemacht, sein Masturbieren beim nachträglichen Anschauen des Tötungs­videos gestanden bzw. insgesamt den Zusammenhang zwischen kannibalistischer Handlung und sexueller Befriedigung nicht geleugnet zu haben. Das war letztlich der Ansatzpunkt für den BGH, die ursprüngliche Verurteilung des Land­gerichtes Kassel wegen Totschlags zu kassieren und das Ganze als Mord zu behandeln (http://lexetius.com/2005,786).

Weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf – man tötet jemanden, der das unbedingt und unter Umständen schon sehr lange will, und kommt dann auch noch mit einer Verurteilung für weniger als „Mord“ davon… Eine Ausnahme gibt es mit viel Glück bei der  „Sterbehilfe“.

Das Einverständnis des Getöteten in die Tat war beim Fall Meiwes, ebenso wie im aktuellen Fall, unbestritten. Trotzdem – oder gerade deshalb? – hieß es ausnahmsweise damals nicht ganz so konsequent „in dubio pro reo“. Auch wenn es im StGB nicht explizit erwähnt ist, so gehe ich bei der Definition des Begriffes „Kapital­verbrechen“ davon aus, dass dieses gegen den Willen des Opfers geschieht. Wäre das nicht so, wären die Gefängnisse wohl voll von Dominas und Profiboxern…

Interessanterweise scheint man in unserem Rechtssystem bei Straftaten, die tatsächlich das Recht des Geschädigten auf körperliche Unversehrt­heit aufs Gröbste missachten, wie Mord, Körper­verletzung, Vergewaltigung etc., jeden noch so abwegigen mildernden Umstand zu berücksichtigen.

Der Messerstecher hatte das frisch geschärfte Fleischermesser zum Beziehungs­abschluss­gespräch griffbereit in der Tasche? Naja, wir wollen mal nicht so sein, vielleicht wollte er direkt nach dem Gespräch ein schmackhaftes Carpaccio zubereiten. Ein Tötungs­vorsatz ist jedenfalls nicht ohne weiteres zu erkennen. Eine Vergewaltigung ist praktisch nie als solche nachweisbar – es kann ja auch ruppiger, aber einvernehmlicher Sex gewesen sein, der einfach etwas aus der Spur geraten ist. Abgesehen davon, dass man bei Frauen ja eh nie weiß, was sie meinen, wenn sie „nein“ sagen. Jemand tritt zehnmal mit Stiefeln auf den Kopf eines am Boden Liegenden? Das muss noch lange nicht heißen, dass er dessen Tod billigend in Kauf genommen hat. Und wenn er dann auch noch ein Schnäpschen intus und/oder eine schwere Kindheit (berufs­tätige Mutter, strenge Lehrer, verregnete Sommerferien) hatte, löst sich eine Verurteilung wegen Mordes praktisch in Luft auf.

Aber wenn so ein Perverser sich unbedingt zerstückeln lassen will, und ein anderer Perverser tut ihm auch noch den Gefallen – und das ganze hat womöglich noch was mit (iiiihhh!) Sex zu tun: ja, dann kann das Urteil natürlich nur auf „Lebenslänglich“ mit anschließender Sicherungs­verwahrung lauten!

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