Das Lexikon fürs Mittelmaß

Wikipedia, die Onlineenzyklopädie. Seit fast 13 Jahren gibt es sie, mit mittlerweile rund 30 Millionen Artikeln in mehr als 280 Sprachen. Ein toller Wissens­pool: Welcher Papst war von wann bis wann auf dem Heiligen Stuhl? Wie funktioniert ein Wankelmotor? Was gibt es Wissens­wertes zu Bier­misch­getränken? Bei solchen und vielen, vielen anderen Fragen schaut die gefühlte Mehrzahl der Menschheit erst einmal bei Wikipedia nach.
Gibt es daran etwas auszusetzen? Jein. Wikipedia ist eine Informations­sammlung. Manchmal mehr als das, manchmal aber auch weniger.

Es gibt zu viele Menschen, die zwei zentrale Tatsachen bei der Beurteilung von Informationen aus Wikipedia außer acht lassen:
1. In Wikipedia darf grundsätzlich jeder schreiben.
2. Solange das, was geschrieben wurde, nicht von jemand anderem gelöscht wird, bleibt es drin.

Manche Beiträge stammen von ausgewiesenen Experten oder gut informierten Laien, die fundiert schreiben. Das kann so sein, muss aber nicht.
Genauso können Beiträge in Wikipedia platziert oder beeinflusst werden von Presse­abteilungen von Unternehmen, oder von Menschen, die eben nicht neutral und sachlich zu einem Thema schreiben wollen, sondern ihre ganz persönliche und subjektive Haltung in einer Wissens­datenbank verankern wollen. Solche Beiträge oder Teile von Beiträgen fliegen in der Regel raus, aber eben nur in der Regel und nicht immer, sofort und zuverlässig.

Im Unterschied zu „professionellen“ Lexika oder Enzyklopädien, ob online oder gedruckt, werden hier keine Fachleute dafür bezahlt, dass sie ihr Fachwissen nach einem definierten Mindest­standard niederschreiben. Sondern jeder schreibt zunächst einmal, wie und was er will bzw. was er darf. Artikel werden nicht vor der Veröffentlichung redigiert, sondern danach.
Und je mehr Freizeit jemand hat, umso mehr kann er schreiben. Das muss kein schlechtes Zeichen sein, aber auch kein gutes.

Mir geht es nicht darum, Wikipedia schlechtzureden.
Aber man sollte es als das sehen, was es ist: eine Sekundär­quelle, von der aus man an bessere, weil fundiertere Quellen kommen kann, wenn man in das Quellenverzeichnis schaut. Vielleicht stellt man auch fest, dass unter den angegebenen Quellen wirklich schlechte sind – auch das hilft, die Qualität des Wikipedia-Eintrags einzuschätzen.

Zusätzlich kann man noch in den Diskussions­verlauf schauen, um dort zu sehen, ob es große Kontroversen bei bestimmten Punkten gibt, ob sich u. U. einfach die lautesten und dick­felligsten Autoren durchgesetzt haben und nicht die mit den besten Argumenten. Oder – um bei den einleitenden Beispielen zu bleiben – man erfährt dort, dass die Bezeichnungen und die Inhalts­stoffe gerade von regionalen Bier­misch­getränken nicht unumstritten und nicht so eindeutig sind, wie es im Artikel den Anschein hat.

Aussagen wie „das ist so, weil es in Wikipedia steht“, sind einfach unerträglich.
Genauso könnte man die Bildzeitung zitieren (die immerhin handwerklich sauber arbeitet) oder den örtlichen Stammtisch, weil sich doch dort auch irgendwann alle einig sind.

Aber wie heißt es so schön: „Wenn die Sonne der Erkenntnis niedrig steht, werfen auch geistige Zwerge lange Schatten.“

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_Wikipedia

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