„Im Wendekreis der Eidechse“ – ein Film wie ein guter Joint

Die Geschichte des neuesten Films von Helge Schneider „00 Schneider – im Wendekreis der Eidechse“ ist schnell erzählt: der Kommissar muss einen entflohenen Kriminellen dingfest machen und tut das auch. (genaueres über den „Plot“ ist z. B. hier zu finden: http://www.filmstarts.de/kritiken/214300.html)

Für mein Gefühl ist der rote Faden des Films noch dünner als z. B. bei „Texas“ oder auch bei „Praxis Dr. Hasenbein“. Die Frage ist allerdings: braucht ein Film einen roten Faden, wenn er sehr lustige (wenn man den Schneiderschen Humor mag) Situations­komik und eine stimmige und professionelle Filmmusik im Angebot hat?

Dieser Film hat die Wirkung, die man gemeinhin einem guten Joint nachsagt: spätestens eine Viertelstunde nach Filmbeginn hört man auf, nach dem Zusammen­hang zwischen den Szenen (der zweifelsohne vorhanden ist) und dem Warum in der Handlung zu suchen.

Stattdessen erlebt der Zuschauer entspannt zurückgelehnt ein buntes Sammel­surium von Figuren und Szenen und freut sich, wenn er bekannte Gesichter unter den Darstellern entdeckt wie zum Beispiel Sergej Gleithmann, den Performance­künstler und treuen Schneider-Begleiter; Handlungs­dichte und –geschwindigkeit lassen genug Raum, der jazzigen Filmmusik, die (natürlich) vom Meister selbst kreiert wurde, die nötige Aufmerk­samkeit zu schenken. Ob absurde Tanzeinlage oder brutale Zahnbehandlung: alle Szenen bekommen die Zeit, die sie brauchen; das Diktat der schnellen Schnitte hat bisher noch nicht Einzug in den Helge-Schneider-Filmen gehalten.

Manche Kinobesucher fangen schon kurz nach dem Beginn an zu lachen und hören bis zum Schluss nicht mehr wirklich damit auf. Den Abspann verfolgen alle Anwesenden, bis auch die letzte Zeile von der Leinwand verschwunden ist. Nicht, weil man vom Film so ergriffen ist, sondern weil man so entspannt ist, dass man einfach keine Lust zum Aufstehen hat.

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