Krüstchen und Kornknacker

Die Herausforderung wartet am Wochenende, manchmal auch unter der Woche: der Brötchenkauf.

Brötchen_kk

Er ist ganz einfach, wenn man ohnehin nur Schnittbrötchen (das sind die, die der Laie als „Normale“ bezeichnet, also einfache Weizenbrötchen ohne besondere Eigenschaften) nimmt. Was aber, wenn eine – an sich erfreuliche – Vielfalt vorhanden ist und man gern aus den verschiedenen Brötchen in der Auslage wählen möchte, und das womöglich bei wechselnden Bäckereien?

Heutzutage sind, abgesehen von den Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung, der Kreativität bei der Brötchennamensgebung keine Grenze gesetzt. Vom Weltmeister- über das Fitnessbrötchen bis zum „Wikinger“ finden sich phantasievolle Bezeichnungen in der Bäckerauslage, die zunächst keinerlei Rückschlüsse auf die Inhaltsstoffe der so bezeichneten Backware zulassen.

Man kann der Annahme erliegen, dass die kleinen Schildchen, die über den Brötchen an der Scheibe befestigt sind, sich auf das Produkt darunter beziehen.
Wichtig: sie können, müssen aber nicht. Das merkt man spätestens, wenn man ganz souverän „zwei Kornknacker, zwei Weltmeister und zwei Krüstchen“ bestellt und die freundliche Verkäuferin die Tüte mit völlig anderen Brötchen befüllt als denen, über denen die besagten Schilder hängen. Es kann aber in diesem Fall auch sein, dass die Verkäuferin einfach zwischendurch Lust hat, Kunden an ihrem Verstand (dem der Kunden, nicht der Verkäuferin) zweifeln zu lassen.

Die Methode, mit der man sich als inkompetenter Kunde outet, die aber immerhin zum gewünschten Brötchentüteninhalt führt, ist die „zwei solche“-Variante:
Man ordert die Brötchen dadurch, dass man auf sie zeigt und ggf. noch etwas dazu sagt: „Zwei von denen da, die ganz dicht an der Scheibe liegen, in der linken Ecke. Nein, von Ihnen aus links. Und zwei von denen auf der anderen Seite mit den hellen Stippeln und den verbrannten Körnern drauf.“ Meist sagen die Verkäuferinnen dann als kleine Hilfe die Brötchennamen dazu, damit der Kunde sie sich vielleicht dann doch merken kann.

Problematisch wird es, wenn es auf die Inhaltsstoffe ankommt. Wer so unvorsichtig ist und fragt „Worin unterscheiden sich diese kleinen runden von den quadratischen Brötchen daneben – außer durch die Form?“, ist selbst schuld an der Antwort „die­runden­enthalten­60%­Weizenvollkornmehl­30%­Dinkelschrot­10%­Roggenmehl­und­Sonnenblumenkerne­und­sind­doppelt­abgebacken­und­die­eckigen­70%­Weizenvollkornmehl­20%­Weizenschrot­und­10%­Kartoffelmehl­und­haben­eine­extra­krosse­Kruste“.

In der Regel sagt man dann „Ach, geben Sie mir einfach zwei Mehrkorn“, was einem superböse Blicke der Verkäuferin einbringt, weil sie sich doch so viel Mühe gegeben hat mit der Erläuterung und sauer ist, dass das mal richtig Perlen vor die Säue werfen war. Wenn sie wüsste, dass wir uns einfach nicht trauen, die so umfassend beschriebenen Brötchen zu kaufen, weil wir schon an der Ladentür die Inhaltsstoffe vollständig vergessen haben und uns zu Hause nicht blamieren möchten, wäre sie vielleicht etwas nachsichtiger.

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