Hätte, hätte …

Staatsmännisches (oder -frauliches) Verhalten ist das A und O, wenn man ein hohes politisches Amt bekleiden möchte.

Peer Steinbrück hat am vergangenen Freitag im ARD-Morgenmagazin bei den U-10-Bürger(inne)n der Republik viele viele neue Fans gewonnen. Schade für ihn, dass die noch nicht wählen dürfen.

Dieses Mal war es aber gar nicht Peer Steinbrück selbst, der eine Unachtsamkeit begangen hatte, sondern sein Wahlkampfteam. Diesem war bei der Entscheidung für den Wahlkampfslogan „Das Wir entscheidet“ leider aufgrund mangelhafter Recherche nicht aufgefallen, dass dieser Slogan ausgerechnet von einer Leiharbeitsfirma seit Jahren verwendet wird. Nun gut, es gibt schlimmere Wendungen in der deutschen Sprache, die man wirklich keinesfalls benutzen darf, weil sie eine ganz besonders ungute Vergangenheit haben. Eine Anleihe bei einer Leiharbeitsfirma ist im Fall der SPD nicht ganz glücklich und hätte verhindert werden müssen, wenn die Verantwortlichen ihre Hausaufgaben gemacht hätten, aber eine Katastrophe ist das wiederum nicht.

Aber was macht Peer Steinbrück? Auf die Frage, ob man das mit dem Slogan denn nicht im Vorfeld hätte feststellen können, antwortet er allen Ernstes „Hätte, hätte, Fahrradkette!“

Was für eine reife und souveräne Äußerung!

Man stelle sich nur vor, Herr Steinbrück würde es tatsächlich schaffen, Angela Merkel, dem Inbegriff der unaufgeregten und geschmeidigen Formulierung, den Kanzlerposten im September abzujagen. Ich sehe ihn vor meinem geistigen Auge schon bei wichtigen bilateralen Verhandlungen dem Gesprächspartner, der soeben darauf verwiesen hat, dass auch Deutschland vielleicht nicht ganz fehlerfrei agiert, entgegenschleudern „Selber, selber, lachen alle Kälber, lacht der ganze Hof, und du bist doof!“ Oder – wenn es sich bei seinem Gegenüber um ein weibliches Staatsoberhaupt handelt – vielleicht auch mit den abgewandelten beiden letzten Zeilen „ … lacht die dumme Kuh, und die bist du!“ Denn klare Kante muss nun mal sein.

Viel zu lange mussten wir auf einen würdigen Nachfolger von Heinrich Lübke warten, der seinerzeit die Nation mit wunderbaren Formulierungen doch sehr verwöhnt hat. Ein Gutes hätte es aber: zu Veranstaltungen mit Kanzler Steinbrück könnte man immer statt der teuer bezahlten Journalistenprofis einfach Praktikanten oder Volontäre schicken, denn diese dicken sprachlichen Aussetzer erkennt auch ein Anfänger.

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