Netzwelt II oder: Superhirne im Netz

Im Netz treiben sich, wie kürzlich beschrieben, reichlich Proleten und Volksverhetzer herum. Heute allerdings geht es um das genaue Gegenteil: die Superhirne im Netz.

Es ist immer wieder verblüffend, wie viele Experten für alle Lebenslagen und jede wissenschaftliche Disziplin es vor allem in den Kommentarbereichen gibt, und vor allem, wie viel Tagesfreizeit die haben.

Völlig egal, ob es um die Kirchengeschichte der vergangenen 2 Jahrtausende geht, Atomphysik, Molekularbiologie, Volkswirtschaft oder um Finanzinstrumente, die maximal 2 % der Bankenmitarbeiter auch nur ansatzweise verstehen: die Republik verfügt offenbar über ein Heer potentieller Nobel- und sonstiger Preisträger, die ihr enzyklopädisches Wissen bereitwillig mit dem Mob teilen. Gern tun sie dies mit einem Hinweis wie „… ich bin selbst Unternehmer …“ (will heißen: habe einen Gewerbeschein oder kenne zumindest das Wort und beschäftige mich ansonsten damit, keinen Umsatz zu machen) oder „… während meines Studiums …“ (das ich entweder abgebrochen habe oder das jedenfalls nicht in eine adäquate Beschäftigung gemündet hat).

Ich stelle gar nicht in Abrede, dass es bestimmt viele gebildete und kluge Menschen gibt, die durch unglückliche Wendungen des Schicksals (oder durch die mit viel Sorgfalt und Engagement aller Regierungsparteien der letzten 2 Dekaden zugunsten der Unternehmen verschobenen Kräfteverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt) mehr Tagesfreizeit und weniger Sozialkontakte haben, als ihnen lieb ist. Aber diese Menschen lernen in der Regel sehr schnell, dass es Perlen vor die Säue werfen ist, kompetente und fundierte Beiträge in Kommentaren unterzubringen, wenn sich dort in der überwiegenden Mehrheit Hohlköpfe und Profilneurotiker herumtreiben.

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Eine Antwort zu Netzwelt II oder: Superhirne im Netz

  1. Jürgen Schwarze schreibt:

    Wie wahr, wie wahr! Und zu dem immensen Intellekt kommt dann auch noch eine fast schon sprichwörtliche Bescheidenheit. Denn kaum einer dieser Experten möchte den Ruhm ernten und verfasst seine Erkenntnisse daher anonym.

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