Netzwelt I oder: Sinn und Unsinn von Internetkommentaren

Bei manchen Meldungen im Internet gerät man schon einmal in den Kommentarbereich und schaut, was die User so zum Thema zu sagen bzw. zu schreiben haben. In 99 % der Fälle ist das reine Zeitverschwendung – zumindest wenn man dort qualifizierte Inhalte erwartet. Wenn man allerdings gerade in Trashlaune ist, macht das Lesen der Kommentare großen Spaß.

Zunächst einmal fragt man sich, warum eigentlich so viele Menschen ausgerechnet ein schriftliches Medium zur Kommunikation nutzen, die erkennbar mit der deutschen (Schrift-)Sprache und vor allem der Interpunktion und Rechtschreibung fremdeln (und damit sind nicht Menschen gemeint, die in einem anderen Sprachraum aufgewachsen sind, sondern deutsche Muttersprachler!).

Als nächstes fällt einem die völlige Sinnfreiheit bei vielen Kommentaren auf. Gut sichtbar wird das zum Beispiel bei „Kondolenzkommentaren“. Da wird berichtet, dass die altersschwache Tante von einem Star, der irgendwo in den USA lebt, friedlich verstorben ist. Innerhalb von 12 Stunden sammeln sich locker knapp 1000 Kommentare, von denen 950 lauten „r.i.p.“ oder „Mein Beileid an die armen Hinterbliebenen!“ u. ä. Die restliche Handvoll enthält gern mal leicht trollige, aber wahre Anmerkungen wie „was soll’s, sie war alt und hatte ein erfülltes Leben“. Diese Kommentatoren werden natürlich sofort mit wüstesten und gar nicht feierlichen Beschimpfungen belegt.

Mal im Ernst: wer glaubt, dass seine Beileidsbekundung im Netz für irgendwen wichtig ist? Glauben die Kommentatoren, die gesammelten Kondolenztexte werden den Hinterbliebenen zugestellt, die dann ganz gerührt sind, weil im fernen Deutschland so viele Menschen mit komischen Nicknames an sie denken?

Last but not least fällt ins Auge, dass bei vielen Kommentatoren Respekt und Umgangsformen (falls vorhanden) vollständig den Bach heruntergehen, sobald sie sich in der Anonymität des WWW verstecken können. Es gibt mittlerweile Themenklassiker, bei denen die Kommentarfunktion entweder von vornherein abgeschaltet ist, oder dies in kürzester Zeit passiert, weil das Niveau der Kommunikation in Lichtgeschwindigkeit im Bereich der schweren Beleidigung und/oder Volksverhetzung landet. Zu diesen Themen (Liste bei weitem nicht vollständig) gehören sämtliche Politiker/innen, außerdem die Bereiche Frauen/Männer, soziale Gerechtigkeit und Integration.

Was da an sprachlichem Auswurf mitunter ins Netz gewürgt wird, spottet jeder Beschreibung.

Mit der seit den Anfängen des Internet vielbeschworenen „Netikette“ ist es nicht allzu weit her. Da fragt man sich: wie armselig muss es um diejenigen bestellt sein, die sich derart im Netz auskotzen? Haben die niemanden, der ihnen zuhört? Oder bekommen sie selbst immer nur auf die Mütze?

Möglicherweise ist aber auch das „verbale Amoklaufen“ und Herumtrollen im Netz das notwendige Ventil, den Frust abzubauen, den diese armen Würstchen tagtäglich aufbauen. Wenn es denn so wäre, dann hätte das Ganze wenigstens auch sein Gutes…

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